Mehr Angriffe über das Internet - Kaum Schutz

5. Juni 2000, 16:45

"Gewaltiges Defizit" der Wirtschaft in Sicherheitsfragen

Die Gefahr virtueller Kriminalität wie Wirtschaftsspionage oder Internet-Terrorismus nimmt nach Ansicht von Computerexperten ständig zu. Es gebe vermehrt Angriffe auf Unternehmen über das weltweite Netz, sagte der Vorsitzende des deutschen Chaos Computer Clubs, Andy Müller-Maguhn, am Montag auf einem Symposium zu den Folgen des "I love you"-Virus in Freising bei München. Derzeit liege die größte Gefahr für Unternehmen noch bei den eigenen Mitarbeitern, die teilweise grob fährlässig mit dem Thema Sicherheit umgingen, sagte der Hamburger Universitätsprofessor Klaus Brunnstein.

An israelischen und amerikanischen Militärschulen werde bereits gelehrt, wie andere Computersysteme zu knacken seien, sagte Müller-Maguhn. Die Staaten stellten sich so auf Angriffe ein. Die Wirtschaft dagegen habe in Sicherheitsfragen ein gewaltiges Defizit. Unternehmen sparten an Sicherheitssystemen und an gut ausgebildeten Mitarbeitern, die solche Programme anwenden und weiter entwickeln können. "Damit sparen sie an der falschen Stelle."

Nach den Worten Müller-Maguhns war der "I love you"-Virus harmlos. Mit wenigen Änderungen hätte das Programm mehr Schaden anrichten können. "Die Reaktion war trotzdem nicht übertrieben", sagte der Fachmann. Brunnstein hoffte, dass der Virus die Verantwortlichen wachgerüttelt hat. "Frühere Viren haben wohl nicht genug Schaden angerichtet."

Brunnstein nannte das Internet ein "absolut unsicheres" System. Es sei nicht als sicheres System konzipiert worden. "Es ist für den freien Fluss von Informationen geschaffen worden, das schließt Sicherheit nicht mit ein." Die meisten Nutzungen und Nutzer vergewaltigten dieses Konzept. Geschäfte über das Internet wie etwa Online-Banking seien risikobehaftet. Viele dafür wichtige Funktionen biete das weltweite Netz nicht. Es gebe etwa die Funktion der Bestätigung nicht. "Niemand kann garantieren, dass ein Überweisungsauftrag auch wirklich bei der Bank ankommt."

Brunnstein sagte, das Internet werde trotz der großen Risiken von zu vielen bedenkenlosen und uninformierten Menschen genutzt. Sicherheit könne nur erreicht werden, wenn sich Nutzer einbunkern, abschotten und genau auskennen. Dazu müsse die Wirtschaft Schutzprogramme installieren und Mitarbeiter konsequent schulen. (APA/dpa)

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