Schauspielhaus Salzburg 2006/07 mit 13 Premieren

1. Juni 2006, 15:57
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Moral statt Design: Krieg, 50er Jahre und die Vielfalt theatralischer Formen - Verzicht auf Klassiker - Geldknappheit und Selbstausbeutung

Salzburg - 13 Neuproduktionen und eine Wiederaufnahme aus der laufenden Saison. Darunter eine Uraufführung und zwei österreichische Erstaufführungen. Kein Klassiker, dafür aber ein Musiktheater sowie eine Reihe von Schlüsselwerken der Moderne. Das sind die Grundzüge des Jahresprogramms für die Saison 2006/2007 im Schauspielhaus Salzburg. Thematisch hat Salzburgs zweite große Theaterbühne den Bogen rund um Krieg und Konflikt gespannt und will der "unpopulären Moral im Theater gegenüber dem verbreiteten Designer-Theater wieder mehr Raum geben", wie der künstlerische Leiter des Schauspielhauses, Robert Pienz, heute, Montag, bei einer Pressekonferenz erläuterte.

"Ja, wir stellen die Frage nach Gut und Böse, wenn man den Blick dafür schärft, dann sind diese beiden Dinge ganz leicht voneinander unterscheidbar. Die größte Gefahr für unsere Gesellschaft ist die Indifferenz, alles ist irgendwie nicht wirklich schlimm", so Pienz, der zwei Schlüsselwerke aus der Mitte des 20. Jahrhunderts selbst inszenieren wird. Am 10. Dezember steht ein zur Zeit europaweit viel gespieltes Fest für die Lüge und die Fantasie, nämlich "Bunbury" von Oscar Wild auf dem Programm, und am 24. Jänner 2007 kommt "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" von Edward Albee ins Studio des Schauspielhauses. "In den vergangenen Jahren hatten wir mehr Ur- und Erstaufführungen, so wie das Theater insgesamt auf neue Stücke besonderen Wert gelegt hat", erläuterte Pienz. "Ich glaube, diese Zeiten sind vorbei, jetzt versuchen wir, ganz einfach gutes Theater zu machen. Und im Programm der kommenden Saison interessiert uns vor allem, was von der Moderne übrig geblieben ist, und wie sie in der Gegenwart wirkt."

Ur- und Erstaufführungen gibt es dennoch und zwar "Ladies Camp. Eine Gender-Satire" von Hannes Glarner (29. Mai 2007), eine Koproduktion mit dem Theater Neumarkt in Zürich. Erstmals in Österreich zu sehen sein werden die komplexe Beziehungsgeschichte um Trauer und Verlust, "Monsun" von Anja Hilling (25. April) und Woody Allens "Riverside Drive" (17. März).

Der Startschuss in die kommende Saison fällt mit "Die Frau von früher" von Roland Schimmelpfennig, laut Schauspielhaus der wohl erfolgreichste deutschsprachige Gegenwartsautor (12. September). Eine Woche später kommt mit "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind eine konfliktgeladene Kindertragödie über Sexualität und das Erwachsenwerden. Ergänzt wird das Jahresprogramm mit "Roberto Zucco von Bernard-Marie Koltes, "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen, "Anna Galactia" von Howard Barker, Brechts "Die Dreigroschenoper", "Pünktchen und Anton" von Erich Kästner, "Kopenhagen" von Michael Frayn und mit der Wiederaufnahme von Robert Thomas´ "Acht Frauen".

Die Regisseure der kommenden Schauspielhaus-Saison sind neben Robert Pienz die neue Spielleiterin Paola Aguilera, Karin Koller und Alexander Kratzer (je 2 mal) sowie Ulrich Hüni, Eva Hosemann, Peter Arp, Steffen Höld, Georg Clementi und Sabine Mitterecker. Das Ensemble bleibt im Wesentlichen gleich, "bloß dass wir versuchen, wenigstens den langjährigen Wegbegleitern anständige Jahresverträge zu verschaffen", so Pienz, der über die Finanzen nicht klagen aber dennoch darauf hinweisen will, dass das Schauspielhaus ohne "permanente Selbstausbeutung weit unter dem Kollektivvertrag in dieser Form gar nicht funktionieren würde."

55.000 Besucher haben die Vorführungen im Jahr 2005 gesehen, die mit einem Gesamtbudget von 2,2 Mio. Euro realisiert wurden. 700.000 Euro hat das Schauspielhaus eingespielt, Stadt und Land zahlten je 600.000 Euro und der Bund steuerte 300.000 Euro bei. (APA)

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