Ein Platz für Liebeskummer an der Mur

9. Juni 2006, 13:48
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Graz bekommt für vier Tage ein "Spontanlokal" für traurige Herzen unter der Hauptbrücke

Graz - "Es ist aus ... und es ist besser so." Egal, ob man diesen Satz gerade für weise, vernünftig oder aber völlig schwachsinnig hält, die meisten Menschen hatten schon einmal das Pech, ihn nicht nur in schlechten Filmen, sondern aus dem Mund eines geliebten Menschen zu hören. "Das hat man schon 8000-mal erlebt und es tut jedes Mal weh und vor allem: Irgendwann kommt man zu der Erkenntnis, dass es nie aufhört, sondern immer so weitergeht. Es ist Zeit, das aufzuarbeiten", erzählt Anita Fuchs, die mit Resa Pernthaller das Aktionskünstlerinnen-Duo "Resanita" bildet.

Die beiden 38-jährigen Frauen begannen vor zwei Jahren damit, die Stadt in regelmäßigen Abständen mit Spontanaktionen zu besetzen. Aus Pappe, Wellblech und anderen wenig edlen Materialien sowie kitschigen Accessoires bauten sie - etwa am Grazer Hilmteich, im Forum Stadtpark oder im Café Thienfeld - stets gut besuchte Wegwerf-Tempel in den grauen Alltag.

Im vergangenen Herbst eröffneten sie ihr erstes "Spontanlokal" in einer aufgelassenen Konditorei nahe dem Kunsthaus, das für einige Wochen Abend für Abend völlig überfüllt war und in der tristesten Jahreszeit der Liebe huldigte: Wer wollte, konnte hier zwischen kuscheligen Fauteuils nicht nur tanzen und trinken, sondern sich auch die Zukunft aus den Karten lesen lassen oder sich an einem Altar aus Kartonagen spontan trauen lassen.

Trost im Wonnemonat

Im Wonnemonat Mai bietet "Resanita" nun ab Mittwoch (Startzeit 20.00 Uhr), bis Samstag die logische Folge: "Ein Auffanglager für gebrochene Herzen unter der Hauptbrücke", erklärt Pern thaller. "Man kann seine traurigste Liebesmusik mitbringen und gemeinsam trauern, statt sich allein in die Depression zu hauen." Auf dem Programm stehen das kollektive Auftrennen von Monogrammen, Fotos verbrennen und Liebesbriefe zerreißen. Auch DJs und eine wetterfeste Bar im Favelastil stehen bereit.

"Wir schaffen in der Zeit von Hochzeiten, Erstkommunionen und dem Ewige-Liebe-Getue einen Platz für jene, die das Leben nicht liebt, die einen Beziehungs- oder Kindheitsschaden davon getragen haben", ergänzt Fuchs. Paare in soliden Beziehungen können zu Hause bleiben und in Ikea-Katalogen schmökern. "Wir sind ab Donnerstag ab 10 Uhr da", gibt sich Pernthaller als Herzenströsterin. Wer weiß: Vielleicht finden am Mur-Geplätscher zwei zerbrochene Herzen zusammen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print, 23.5.2006)

  • Im Herbst tranken die beiden Aktions- 
künstlerinnen von "Resanita" noch vor einem Liebesaltar. Ihr neues Spontanlokal an der Mur läuft unter dem abgeklärten Titel: "Es ist aus ... und es ist besser so".
    foto: standard/resanita
    Im Herbst tranken die beiden Aktions- künstlerinnen von "Resanita" noch vor einem Liebesaltar. Ihr neues Spontanlokal an der Mur läuft unter dem abgeklärten Titel: "Es ist aus ... und es ist besser so".
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