Keine sichere Bank

28. Juli 2006, 16:33
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Parkour im Selbstversuch: Fortbewegung einmal anders

"Crash-Test-Dummy." "Spinnenfrau." "Kletteräffchen." - Kein Wunder, dass man sich solche freundlichen Bezeichnungen gefallen lassen muss, wenn man sich freiwillig meldet - Aber irgendwer musste sich ja zum Affen machen: Ausgestattet mit festem Schuhwerk und einem ordentlichen Maß an Selbstüberschätzung war ich bereit für meine ersten Parkour-Versuche - und machte mich auf die Suche nach dem "optimalen" Parkour-Gelände. Der erste Wiener Gemeindebezirk schien mir für Anfänger passend: Dieses Terrain schaffen schließlich sogar Touristen zu Fuß.

Aber wie so oft sieht eben vieles leichter aus, als es in Wirklichkeit ist: Ganz ehrlich? Ich würde keinem Höhenängstler empfehlen, mit der "Saut de détente" zu beginnen - denn dieser Weitsprung dient dazu, Lücken oder Hindernisse (etwa die zwischen zwei Hausdächern) zu überwinden. Mit Anlauf.

Darum habe ich mich statt an Dachrinne, Brückengeländer oder Hausfassade lieber an Gartenzaun, Parkbank und Verkehrsschild gewagt. Und war schon nach diesen "extremen" Hürden sicherer denn je: Die Durchquerung der Stadt auf einer Geraden überlasse ich den Profis. Noch.

Aber ich bin optimistisch. Denn nach anfänglichen Schwierigkeiten - und aufmunternden Zurufen begeisterter Touristen - habe ich meine Hindernisse unfallfrei gemeistert.

Okay: An Pose, Haltung und Ausdruck muss ich vielleicht noch arbeiten. Bei meinen Versuchen habe ich mich an "Passement" gehalten: Überwindung ist eben alles - im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Und überwunden habe ich die Parkbank ja. Ganz eindeutig.

Laut Reglement hätte ich mich dabei ja sogar mit Beinen und Unterarmen abstützen dürfen. Der Unterhaltungseffekt war hoch. Und (gut gelaunte) Zuschauer sind jedem Parkour-Novizen sicher.

Fazit: Parkour macht Spaß - aber ein bisserl sollte man die Route den eigenen körperlichen Fähigkeiten anpassen. Und mitlachen können, wenn andere fragen, wieso man nicht einfach um die Bank herum geht. Oder sich draufsetzt.

Von Alexandra Dasch
  • Eine der Einsteigerübungen: Mit Schwung und im Passement-Stil über das Hindernis.
    foto: standard/cremer

    Eine der Einsteigerübungen: Mit Schwung und im Passement-Stil über das Hindernis.

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