Es rumort im Augarten-Flakturm

23. Mai 2006, 20:54
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Es bewegt sich etwas im Flakturm Augarten - ein Schuttberg im Inneren ist verrutscht - Die Pläne um eine neue Verwendung als Datenspeicher sind ebenfalls wieder belebt worden

...ungeachtet der Ablehnung durch die Stadt Wien und das Denkmalamt.


Wien - In den letzten Monaten ist es ruhig geworden um den Flakturm im denkmalgeschützten Augarten - jetzt ist wieder buchstäbliche Bewegung in die seit Jahren geführte Debatte um eine Neunutzung des Weltkriegs-Monolithen gekommen.

Schutt ist vom sechsten in den fünften Stock des größeren Turms heruntergerasselt und hat die Gemäuer nach außen gedrückt. Die Experten sprechen von einer Lastverlagerung. Auch eine der Plattformen lockerte sich und verschob sich nach außen. Seit Dienstag letzter Woche ist die nördliche Umgebung des Turms großflächig durch einen Wildzaun abgesichert, ein provisorisch angebrachter Zettel warnt die Parkbesucher eindringlich "vor herabfallenden Bauteilen".

Keine Bewegung

Die letzte Messung, die von Freitag auf Samstag durchgeführt wurde, habe keine Bewegung gezeigt, erklärte Burghauptmann Wolfgang Beer am Montag. Es werde jedenfalls regelmäßig weitergemessen, zusätzlich wird ein Bauzaun in rund 120 Meter Entfernung vom Turm aufgestellt. "Wir haben damit gerechnet, dass sich irgendwann etwas bewegen wird." In jedem Fall müssten hunderte Tonnen Schutt über einen noch zu schaffenden Zugang zum Park abtransportiert und einsturzgefährdete Teile abgetragen werden.

Für die Abbrucharbeiten hat es bereits eine Ausschreibung gegeben - und zwar just jener Firma, die sich seit nunmehr drei Jahren darum bemüht, in dem 55 Meter hohen Stahlbeton-Bunker einen Hochsicherheitsdatenspeicher zu errichten. Obwohl sich das Denkmalamt vehement gegen den geplanten mehrstöckigen Glasaufbau ausgesprochen und die Stadt in Aussicht gestellt hatte, einer nötigen Umwidmung des Parkschutzgebietes nicht zuzustimmen. Planungsstadtrat Rudi Schicker (SP) hatte zuletzt vermeldet, dass "das Projekt gestoben" sei, da die Firma DCV (Daten Center Vienna) sich mangels Kunden zurückgezogen hätte.

"Genug Interessenten"

"Es gibt genug Interessenten", meint hingegen DCV-Geschäftsführer Wolfgang Bleim. "Die Dinge überschlagen sich derzeit." Heute Dienstag sei ein Termin im Wirtschaftsministerium anberaumt, wo über die nötigen Abrissarbeiten beraten werde. Erst nach einem statischen Gutachten könne entschieden werden, "ob und wie das Projekt" realisiert werden kann. Prinzipiell sei man aber dazu bereit. "So wäre die Baumasse gesichert und es würde auch noch Miete gezahlt", beschreibt Beer von der Burghauptmannschaft, die dem Wirtschaftsministerium untersteht, die Vorzüge des Datenspeicher-Projekts. Eine komplette Abtragung würde rund zehn Millionen Euro kosten. Die übrigen fünf Flaktürme aus den Kriegsjahren 1943/ 44 sind laut Beer stabiler. (Karin Krichmayr, DER STANDARD-Printausgabe, 23.05.2006)

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    Das Baustellenschild, das wegen Schuttbewegungen im Augarten-Flakturm aufgestellt wurde, wird wohl länger bleiben. Absturzgefährdete Teile sollen abgetragen werden.

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