Schaumschlagen, existenziell

22. Mai 2006, 19:47
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Jan Neumanns viel beachteter Erstling "Goldfischen" im Theater Drachengasse

"Ein toter Traum stinkt", wie passend für die elektroekstatische Kulturgemeinde, die in ihren abgestandenen Wohnschlafzimmern der Wahrhaftigkeit entgegentanzt. Unter diese Klischee-Dusche hat Jan Neumann seinen viel beachteten Erstling Goldfischen gestellt und eine neongrelle Tarnschicht über einen tiefenpsychologischen Abgrund gespannt. Den BMW schon fast in der Tasche, wird Nick (Matthias Stein) vom parasitär entspannten Martin (Sebastian Wendelin) und der Möchtegern-"Riot Grrl"-Tussi Katja (Katja Gerstl) zurück ins Leben gezerrt: "Freundschaft, Sex und Liebe" ist das Credo, und doch nur ein Spiel. Verloren hat, wer sich auf eines davon ernsthaft einlässt. Lange bleibt es der neidgelb überzogenen Ausstattung von Stefanie Stuhldreier überlassen, Spannung in die, wie erwartet, latent aggressive Dreiecksbeziehung zu legen.

Dass sich der turbulente Reigen (Regie: Katrin Schurich) zu einem verstörend starken Abschluss emporhebt, ist dem Stücktext, aber auch der störrisch das Ziel verschleiernden Schauspielerleistung (besonders der von Stein) zu verdanken. Eine intelligente Täuschung, exzessiv erarbeitet. (pet/ DER STANDARD, Printausgabe, 23.5.2006)

Theater Drachengasse
1., Fleischmarkt 22
01/513 14 44
bis 24. 6., 20 Uhr
  • Aufstehen oder abhängen? Blicke in die Wohnschlafzimmerfront im Theater Drachengasse.
    foto: andreas friess/contrast

    Aufstehen oder abhängen? Blicke in die Wohnschlafzimmerfront im Theater Drachengasse.

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