Konsens nach 50 Jahren

3. Juni 2006, 21:40
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Ortstafel-Gegner werden weniger - Unterstützer-Plattform wendet sich an Öffentlichkeit

Klagenfurt - Die Liste der Ortstafel-Befürworter in Kärnten wird immer länger. Am Montag hat sich eine breite Unterstützer-Plattform an die Öffentlichkeit gewandt. Sie werben unter der Moderation des Historikers Stefan Karner für den Verordnungsentwurf von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der insgesamt 158 (das heißt, 81 neue zu bereits bestehenden 77) zweisprachige Ortstafeln für Kärnten vorsieht. Die Front der Ortstafel-Gegner um BZÖ-Landeshauptmann Jörg Haider und den Abwehrkämpferbund wird damit immer schwächer.

Karner ist auch der Vater des so genannten "Kärntner Kompromisses", der nach Jahrzehnten Ortstafel-Streit zwischen Teilen der Kärntner Slowenen und dem deutschnational gesinnten Heimatdienst geschlossen werden konnte.

Hinter dem Kompromiss stehen nun auch die Kärntner Wirtschafts- und Arbeiterkammer, aber auch bisher verhemente Ortstafelgegner wie der frühere Chefredakteuer der Kleinen Zeitung, Heinz Stritzl, oder der Obmann der Kärntner Landsmannschaft, Sepp Prugger. Stritzl sprach von einer "historischen Wende", denn Slowenien sei heute nicht mehr Teil des Tito-kommunistischen Jugoslawien, sondern EU-Partner. Karner kritisierte Haider, der in der Pressestunde erneut Schüssels Verordnungsentwurf abgelehnt hatte: "50 Jahre hat es gebraucht, aber jetzt ist der Konsens da."

Marjan Sturm vom Zentralverband Slowenischer Organisationen meinte: "Es geht weniger um eine wasserdichte Lösung, sondern um eine Allianz der Vernunft gegen die Nein-Sager." (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 23.5.2006)

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