Finanzminister macht bei OMV/Verbund Kassa

28. Juni 2006, 14:18
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Staatlicher Rückzug auf 25 Prozent plus eine Aktie brächte geschätzte vier Milliarden Euro

Wien/Klagenfurt – Die Regierung (und mit ihr die Staatsholding ÖIAG) will mit der Fusion von OMV und Verbund nicht nur einen 24 Milliarden Euro schweren Energieriesen formen, sondern auch ordentlich Kassa machen. Gewinner des Deals sind nicht nur Verbund-Aktionäre, die ihre Aktien um 425 Euro pro Stück an die OMV verkaufen können.

Richtig Geld machen kann auch Finanzminister Karl- Heinz Grasser. Er bekommt grob geschätzt zwei Milliarden Euro ins Budget, wenn sich die Republik in der vereinigten OMV/Verbund auf 25 Prozent plus eine Aktie zurückzieht. Der Weg zu diesem Erlös ist ein komplizierter: Zunächst bringt die Republik ihre 51 Prozent am Verbund in die ÖIAG ein (dabei fließt kein Geld), die diese Verbund-Hälfte sofort an die – von ihr mit 31,5 Prozent beherrschte – OMV weiterreicht. Dafür bekommt sie junge OMV-Aktien und hält – gemäß Umtauschverhältnis 6,5 Verbund-Aktien pro OMV-Aktie – nunmehr rund 42 Prozent an OMV/Verbund. Damit kein Pflichtübernahmeangebot fällig wird (wäre ab 30 Prozent unvermeidlich) und der Staatsanteil auf 25 Prozent plus eine Aktie schrumpft, wird die ÖIAG 17 Prozent ihrer OMV-Aktien in zwei Tranchen verkaufen: Auf eine Hälfte begibt sie noch heuer eine Wandelanleihe, die zweite wird, weil 17 Prozent OMV- Aktien im Markt nicht platzierbar sind, bei einer Investmentbank geparkt, um sie bei gutem Wind zu verkaufen.

Da Grasser der ÖIAG eine Vorabdividende abverlangen kann, fließen die rund zwei Mrd. Euro aus der Wandelanleihe noch heuer ins Budget. Die zweite Tranche wird binnen drei Jahren verkauft.

Möglicherweise ein Bein gestellt hat sich der Kärntner Landtag, indem er die Wasserkraft in Verfassungsrang erhoben und die 51 Prozent Landesbesitz an der Kärntner Energieholding (KHE) fixiert hat, die 63,85 Prozent an der Kelag hält. An der Energieholding ist nämlich die deutsche RWE mit 49 Prozent beteiligt – mit Option auf die Kelag- Mehrheit, falls das Land Kärnten privatisiert. Diese Option ist nun nichts mehr wert. (Luise Ungerboeck, Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.5.2006)

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