Piatnik: Mehr Spielgeld aus dem Osten

6. Juni 2006, 14:22
posten

Der Karten- und Puzzlehersteller leidet unter dem Dollarkurs, setzt auf Osteuropa und blickt positiv ins heurige Jahr

Wien – Das Kartenspiel zu Dan Browns Weltbestseller "The Da Vinci Code" ("Sakrileg") kommt aus der Wiener Vorstadt: "In fast allen Ländern bis auf fünf" liefert das Traditionsunternehmen Piatnik Bridge/Rummy/ Canasta-Karten mit Motiven aus, die von der US-Filmfirma Columbia Pictures lizenziert wurden.

"Insgesamt entwickeln sich die Gesellschaftsspiele sehr positiv", versichert Geschäftsführer Dieter Strehl, Ururenkel von Gründer Ferdinand Piatnik, im STANDARD-Gespräch, "es gibt trotz des elektronischen Angebotes überhaupt kein Anzeichen dafür, dass die Leute weniger mit Brettspielen oder Karten hantieren wollten."

Piatnik setzte im Vorjahr 26 Mio. Euro um, was nur ein kleines Wachstum von ein bis zwei Prozent bedeutet hatte. "Wir leiden unter dem gesunkenen Dollarkurs. Heuer wird es aber wesentlich besser."

Zur Renditesituation des Familienunternehmens und mutmaßlichen Plänen für einen Verkauf sagt Strehl: "Wir machen Gewinne, hatten nie Verluste. Wir sind in den Medien schon drei- bis viermal verkauft worden. Was aber offensichtlich nicht gestimmt hat. Es gibt keine Verkaufsüberlegungen."

Keine Verkaufspläne

Hoffnungsmärkte seien weiterhin vor allem Osteuropa, ehemalige Kronländer der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, wo über eine gemeinsame Armee auch die gleichen Kartenspiele Verbreitung gefunden hatten. "Ich habe gerade einen netten Kontakt in Lemberg geschlossen. Für einen Spielehersteller ist ein Land mit 40 Millionen Einwohnern prinzipiell interessant. Und auch unsere Beziehungen zu mehreren russischen Importeuren entwickeln sich gut."

60 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen mit Zentrale und Produktion sowie 150 Mitarbeitern in einem alten Industriebau an der Wiener Hütteldorfer Straße in Europa, 20 Prozent in den USA, 20 Prozent in Asien und Australien. Das meistverkaufte Spiel ist "Activity" mit 3,5 Millionen Stück und zwei Lizenzvergaben für Fernsehshows (in Ungarn und der Slowakei). (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.5.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.