Neue Studie prognostiziert Maximal-Szenario: 6 bis 7,7 Grad wärmer

12. Juli 2006, 14:17
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Eisproben aus der Antarktis als Grundlage der Analyse herangezogen - zum von Menschen produzierten CO2 kommt verstärkt natürlich freigesetztes dazu

New York - Der Treibhauseffekt wird die Erde nach jüngsten Erkenntnissen von Klimaforschern noch stärker erwärmen als bisher angenommen. Neuen Analysen von Eisproben aus der Antarktis zufolge dürfte die Temperatur auf der Erde bis zum Ende dieses Jahrhunderts um sechs Grad Celsius, schlimmstenfalls sogar bis um 7,7 Grad ansteigen. Das schreiben zwei Forscherteams, denen auch Victor Brovkin vom Potsdam-Institut für Klimaforschung angehört, im US-Fachblatt "Geophysical Research Letters" vom Montag.

Demnach würde die künftige Erwärmung um 15 bis 78 Prozent stärker als bislang angenommen. Die frühere Erwartung basierte allein auf der menschenbedingten Steigerung der Treibhausgase in der Atmosphäre. Neue Studien mit Bohrproben aus der Vostok-Eisplatte in der Antarktis machten die Forscher jedoch auf einen weiteren Effekt aufmerksam. Danach wird die Abgabe von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) und Methan durch die Erwärmung der Erde noch zusätzlich erhöht.

Erwärmung heizt sich selbst an

Obwohl das Antarktis-Eis nicht verrät, woher diese zusätzlichen Treibhausgase von der Erde kommen, liegt der Schluss nach Meinung der Experten auf der Hand. Sie gehen davon aus, dass sowohl der Erdboden wie auch die Weltmeere durch die Erwärmung mehr CO2 und Methan abgeben und in die Atmosphäre geben.

Auf diesen Kreislauf stießen die Forscher in den neuen Eisproben, die ihnen einen Rückblick in knapp 420.000 Jahre Klimageschichte erlaubten. In diesem Zeitraum machte die Erde vier einschneidende Klimaeinbrüche und einige weniger bedeutende Temperaturveränderungen durch.

Großer Effekt

Zur Illustration, wie sich das Bild der Erde durch eine derartige Temperaturänderung wandeln kann: Eine durchschnittliche Erwärmung um sechs Grad wäre größer als der Unterschied zwischen dem Tiefpunkt der letzten Eiszeit und der Gegenwart. Dazu kommt, dass dieser enorme Temperaturanstieg sich nicht über Jahrtausende erstrecken, sondern sich innerhalb eines einzigen Jahrhunderts abspielen würde. Pflanzen und Tiere könnten sich einem so rasanten Wandel nicht schnell genug anpassen - mit katastrophalen ökologischen Folgen. (APA/red)

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