Fiese Plastikföten

23. Mai 2006, 07:00
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VP-Familiensprecherin Sissi Potzinger verteilt Plastikföten, mit denen auch fanatische AbtreibungsgegnerInnen Frauen terrorisieren - Das gehört zitroniert

Sie hängen sich Plakate mit zerschnipselten Föten um den Hals, stehen stundenlang betreten in der Grazer Hans-Sachs-Gasse herum und beten lautlos vor sich hin. Im besten Fall verteilen sie Info-Broschüren; im schlechtesten bequatschen sie Frauen, die durch den Torbogen gehen. Dort hat der Frauenarzt Andre Jansen - er nimmt Schwangerschaftsabbrüche vor - seine Ordination. Einige Patientinnen beschwerten sich, sie seien von den Abtreibungs-GegnerInnen des Mordes an ihrem Kind bezichtigt worden; andere bekamen rosarote Plastikföten in die Hand gedrückt – damit die "Mörderin" auch weiß, wem sie das antut.

Um die Frauen zu schützen, richtete nun der Grazer Gemeinderat eine Petition an den Landtag. Er möge eine Novelle des Steirischen Landes-Sicherheitsgesetzes nach Wiener Vorbild beschließen. Dort kann die Exekutive seit 13. Juli vergangenen Jahres radikale Abtreibungs-GegnerInnen wegweisen, wenn sie Frauen belästigen. Elke Graf, Leiterin des Ambulatoriums am Wiener Fleischmarkt: "Sie sind nicht mehr so aufdringlich und laufen den Frauen wenigstens nicht mehr bis zum Stephansplatz nach."

Im Grazer Gemeinderat war nur die Volkspartei gegen die Petition. Die Abtreibungs-GegnerInnen böten den verzweifelten Frauen nur Information, meinte VP-Familiensprecherin Sissi Potzinger. Um ihre Verteidigung der Abtreibungs-GegnerInnen zu unterstreichen, überreichte Potzinger Frauenstadträtin Tatjana Kaltenbeck-Michl einen jener Plastikföten, mit denen die Abtreibungs-GegnerInnen Frauen in der Hans-Sachs-Gasse auflauern.

"Frauen müssen das aushalten"

Potzingers Kommentar in einer lokalen Zeitung: Die Frauen müssten es aushalten, dass man ihnen diese Föten zeige. Das wirft einige Fragen auf. Einerseits: Wie kommt eine Politikerin dazu, fiese Plastikföten in einer Gemeinderatssitzung zu verteilen und sich so mit Abtreibungs-GegnerInnen zu solidarisieren, die täglich psychisch schwer belastete Frauen terrorisieren? Und überhaupt: Warum muss Frau das alles aushalten, sich aber dreinreden lassen, wenn es um ihren eigenen Körper geht? Nicht um den von Frau Potzinger und auch nicht um die Körper der AktivistInnen vom Abtreibungs-GegnerInnen-Verein "Lebenszentrum".

Sie habe mit dem Plastikfötus im Gemeinderat nur zeigen wollen, worüber da gesprochen wird, sagt Potzinger. "Ich will das Leben schützen und forcieren, dass betroffene Frauen Hilfe und Beratung bekommen." Sehr löblich, Frau Gemeinderätin – aber mit dem Verteilen von Plastikföten werden Sie das sicher nicht erreichen. Potzinger befürchtet außerdem, dass es vom Schwangerschaftsabbruch nur noch ein kleiner Schritt zur Euthanasie sei. Das eine hat zwar mit dem anderen nichts zu tun, aber warum sollte man nicht auch ernsthaft über Sterbehilfe für schwerkranke Menschen nachdenken dürfen? In den Niederlande wurde Sterbehilfe für unheilbar Kranke schon vor Jahren gesetzlich zugelassen. Für konservative PolitikerInnen, die offenbar über ihre heile Welt nicht hinausdenken können, ist das freilich unvorstellbar. (donja)

23.05.2006
  • VP-Frauensprecherin Sissi Potzinger übergab Plastikfötus
    VP-Frauensprecherin Sissi Potzinger übergab Plastikfötus
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