"Volkswirtschaftliche Bedeutung wird noch nicht wahrgenommen"

29. Mai 2006, 01:00
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Dietmar Rupar, Generalsekretär der Vereinigung heimischer Investmentgesell­schaften, über Fonds als Altersvorsorge, Ausssichten und Wünsche der Branche

Mit 31. März verabschiedete sich Wolfgang Dorten, österreichisches Fonds-Urgestein, als Generalsekretär der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) und trat in den Ruhestand. Ihm folgte mit 1. April Dietmar Rupar.

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derStandard.at: Was haben Sie sich auf Ihre To-Do-List zu Ihrem Amtsantritt an oberste Stelle geschrieben?

Dietmar Rupar: Die österreichischen Investmentfonds haben zur Zeit über 160 Mrd. Euro unter Management und damit erstmals die Spareinlagen überholt. Die große volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche wird von der Politik noch nicht zur Gänze wahrgenommen. Es wird daher versucht, durch vermehrte Lobbyingaktivitäten die Bedeutung der Fondsindustrie insbesondere den Politikern näherzubringen.

derStandard.at: Welche Wünsche haben Sie an den Gesetzgeber?

Rupar: Derzeit befindet sich eine Novelle zum Immobilieninvestmentfondsgesetz bzw. zum InvFG in der finalen parlamentarischen Behandlung (die Novelle wurde in der Zwischenzeit beschlossen, Anm. der Red.). Aufgrund der Nationalratswahlen im Herbst und der Regierungsbildung ist davon auszugehen, dass erst Mitte 2007 neue Gesetzesvorhaben stattfinden werden. Nächstes Ziel der Branche wird es sein, jene Voraussetzungen in das österreichische InvFG aufzunehmen die es ermöglichen, europaweit Gelder in einem österreichischen Fonds zu poolen (Anteilscheinklassen).

derStandard.at: Wie gut ist das jüngste Grünbuch der EU-Kommission in Sachen Ausbau der Rahmenbedingungen für Investmentfonds gelungen?

Rupar: Die wesentliche Botschaft des Grünbuches aus unserer Sicht ist, dass in der nächsten Zeit an UCITS III festgehalten wird. Die Änderung von Richtlinien im Jahresrythmus ist unzumutbar. Österreich unterstützt daher den Fokus der Kommission, sich primär auf die Notifizierung und den vereinfachten Prospekt zu konzentrieren.

derStandard.at: In Zukunft wollen sich die Fondsgesellschaften verstärkt um die Wahrnehmung von Anlegerrechten kümmern, kündigte der VÖIG-Präsident Mathias Bauer im Frühling an. Wo gibt es da noch Lücken?

Rupar: Durch das starke Volumswachstum halten die Investmentfondsgesellschaften nunmehr an zahlreichen börsenotierten Unternehmen namhafte Anteile. Die Ausübung der Anteilsrechte zum Wohle der Fondsanteilscheinbesitzer hat dadurch an Bedeutung gewonnen.

derStandard.at: Die derzeit 23 in der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) vertretenen heimischen Kapitalanlagegesellschaften haben sich schon vor drei Jahren freiwillig Wohlverhaltensregeln (Corporate Governance Kodex) auferlegt. Was hat das dem Konsumenten gebracht?

Rupar: Investmentfonds haben im ausschließlichen Interesse ihrer Anteilsscheininhaber zu handeln. Dieses Gebot, mit dem Treuhandvermögen besonders sorgfältig umzugehen, hat die Industrie veranlasst, sich Wohlverhaltensregeln aufzuerlegen, die auch von der österreichischen Finanzmarktaufsicht voll inhaltlich anerkannt wurden. Dem Konsumenten haben diese, über das gesetzliche Niveau hinausgehenden Zusatzverpflichtungen die Sicherheit gebracht, dass mit seinem Geld besonders transparent und kompetent gewirtschaftet wird.

derStandard.at: Wieviel haben die Österreicher durchschnittlich in Fonds liegen und sehen Sie da noch Potenzial?

Rupar: Derzeit haben die Österreicher durchschnittlich 20.000 Euro in Investmentfonds veranlagt. Aufgrund der immer wichtiger werdenden Altersvorsorge ist reichlich Potenzial vorhanden, dieses Volumen noch kräftig zu steigern.

derStandard.at: Sie haben den Wunsch geäußert, Investmentfonds stärker für Vorsorgezwecke zu etablieren. Wie wollen Sie das erreichen?

Rupar: In Abstimmung mit der europäischen Interessensvertretung (EFAMA) werden auf europäischer wie auf nationaler Ebene nachhaltige Bemühungen gestartet, dass die Fondsbranche auch als vollwertiger Pensionsanbieter anerkannt wird. Die große Transparenz, insbesondere was die Kostenbelastung für Anteilscheininhaber betrifft, ist in der Finanzdienstleistungsindustrie einmalig und diese Stärke soll in der gegenwärtigen Diskussion besonders hervorgehoben werden. Notwendig ist, dass eine EU Richtlinie, welche die Pensionsanbieter regelt, abgeändert wird.

derStandard.at: Wieso sollte der Konsument stärker Investmentfonds als Altersvorsorge miteinbeziehen? Welche Vorzüge hat der Investmentfonds als Pensionsvorsorge?

Rupar: Neben der bereits dargestellten Transparenz ermöglichen es Investmentfonds allen Inhabern auf gleicher Basis in diversen Märkten zu investieren. Kapitalgedeckte Pensionen können nur durch professionelles Assetmanagement nachhaltig zum Erfolg geführt werden. Die Investmentfondsindustrie zeigt seit Jahrzehnten, dass sie dieses Know how hat. Im Sinne von einem Level Playing Field wäre es daher vorteilhaft, wenn die Konsumenten die Möglichkeit hätten, zwischen Versicherungsprodukten und Produkten der Fondsindustrie auf gleicher steuerlicher Basis frei zu wählen.

derStandard.at: Die heimischen KAGs feiern 2006 ihr 50-jähriges Jubiläum. Mit welchen Aussichten?

Rupar: Die österreichischen Banken sind vielleicht die bedeutendsten Player auf den zentral- und südosteuropäischen Märkten. In einem zweiten Schritt folgen nun die Kapitalanlagegesellschaften ihren Mütterbanken. Das Potenzial dieser Märkte ist außerordentlich und sollte es der Branche gelingen, woran ich nicht zweifle, diese Chancen zu nutzen, werden auch die nächsten 50 Jahre zur Erfolgsgeschichte beitragen.

derStandard.at: Wie gut behaupten sich heimische Investmentfonds im internationalen Vergleich?

Rupar: Die österreichischen KAGs haben in den letzten Jahren besonders zahlreiche Awards der diversen Rating Agenturen bekommen. Auch die Reihungen, die in vielen europäischen Wirtschaftszeitungen veröffentlicht werden zeigen, dass die KAGs im Performancevergleich hervorragend liegen.

derStandard.at: Ab wann kann denn ein Anleger mit seinem Fonds zufrieden sein – wie lautet da Ihre "Formel"?

Rupar: Man sollte sich je nach seinem Risikoprofil ein entsprechend geeignetes Fondsprodukt wählen und eine Behaltedauer von zumindest sieben Jahren einhalten. Danach sollte man einen Vergleich mit Fondsprodukten aus der gleichen Kategorie durchführen und allenfalls ein "Fein-Tuning" durchführen.

derStandard.at: Besitzen Sie selbst Fonds?

Rupar: Natürlich, ich bin in einem osteuropäischen Aktienfonds und in einem Ethik-Aktienfonds veranlagt. (Regina Bruckner)

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VÖIG
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    foto: vöig
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