Unterstützung für Betriebsnachfolger

8. Juni 2006, 15:46
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Die Wirtschaftskammer Österreich und die Notare wollen mit einer Kampagne zur Unternehmensvorsorge die Betriebsnachfolger unterstützen

Wien - Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Notare wollen mit einer Kampagne zur Unternehmensvorsorge die Betriebsnachfolger unterstützen. WKÖ-Präsident Christoph Leitl forderte heute, Montag, bei einer Pressekonferenz in Wien Steuer- und Gebührenerleichterungen für Betriebsnachfolger. "Ich hoffe, dass sich diese Punkte im Arbeitsprogramm der nächsten Bundesregierung finden", so Leitl. Ein geringer Einsatz an Mitteln trage zu einem Erhalt der betrieblichen Substanz und der Arbeitsplätze bei.

Von den rund 350.000 heimischen Unternehmungen stehen jährlich etwa 10.000 Betriebe zur Übergabe an. Etwa die Hälfte davon gelingt, die andere Hälfte wird stillgelegt, etwa weil die Gewerbeberechtigung zurückgelegt wird, sich die Eigentümer auf Jobsuche begeben etc. Für die kommenden 10 Jahre könne man daher von 50.000 betroffenen Betrieben ausgehen, so Leitl.

Versierter Mentor

Die Rolle des Notars bei der Unternehmensvorsorge lasse sich am besten mit der eines fachlich versierten Mentors beschreiben, erklärte Klaus Woschnak, Präsident der Österreichischen Notariatskammer. Es gehe um Testamente und Vorsorgevollmachten für Unternehmer, Abtretungs-, Schenkungs- und Kaufverträge, Syndikats- und Gesellschaftsverträge, die den Willen des Unternehmers verwirklichen könnten.

Ziel der Informationsoffensive sei es, in den nächsten Jahren bei etwa 20.000 Klein- und Mittelbetrieben in Österreich durch Unternehmensvorsorge den Grundstein für deren wirtschaftlichen Weiterbestand zu legen und so die Zukunft der Unternehmerfamilie, der Mitarbeiter und der Firma zu sichern.

Drei Hilfen gefordert

Für die nächste Legislaturperiode fordert Leitl drei Hilfen für die Betriebsübergeber und Betriebsübernehmer: Bei der Erbschaftssteuer würden zwei Modelle diskutiert, ein Bewertungsabschlag von 75 Prozent auf die Bemessungsgrundlage und ein Stundungsmodell der Erbschaftssteuer auf 10 Jahre. Existiert der Betrieb noch nach 10 Jahren, ist keine Erbschaftssteuer zu bezahlen. Wird er nach zwei Jahren verkauft, sind 80 Prozent fällig. Damit werde Spekulanten Einhalt geboten und ein Anreiz gesetzt, den Betrieb längerfristig zu erhalten.

Zweitens forderte Leitl, dass Gründer und Betriebsnachfolger von der Kreditvertragsgebühr ausgenommen werden. Es sei nicht einzusehen, wieso ein Betriebsnachfolger für einen Kredit seines Vorgängers nach der Übernahme wiederum 0,8 Prozent der Kreditgebühr zu bezahlen habe. Drittens gehe es um einen Entfall bestimmter Lohnnebenkosten für die Dauer von 12 Monaten. Diese Lohnnebenkostenreduktion solle für jeden zusätzlichen Mitarbeiter, der in den ersten 3 Jahren aufgenommen wird, gelten. (APA)

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