Mitfahrverweigerung

24. Mai 2006, 12:13
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Wenn er Taxilenkern keine Hausnummer zur Straße sagt, wird G. nicht mitgenommen - komischerweise aber nur, wenn er alleine einsteigt

Es war vorige Woche. Da ist es G. passiert. Wieder passiert, wie G. betont. Und langsam beginne er, sagt G., sich deswegen echt Sorgen zu machen. Schließlich müsse es ja an ihm liegen: Und, den anderen, wist derlei nämlich noch nie passiert. Aber G. erlebt es immer wieder.

G. fährt nämlich gerne Taxi. Vor allem nachts, wenn er nicht mehr ganz nüchtern ist. Das, meint G., seid och eigentlich grundvernünftig. Bloß wollen ihn die Taxifahrer nicht. Nicht alle, aber doch einige.

Marotte

Denn G. hat eine Macke: Er merkt sich Hausnummern einfach nicht. Und seine eigene Wohnadresse will er – das sei, gibt er zu, auch eine blöde Marotte, aber egal, halt auch nicht jedem ganz präzise an den Kopf werfen. Wenn G. dann also nach Hause oder zu irgendwelchen Bekannten fährt – oder einen Lokalwechsel plant – kann es schon mal vorkommen, dass er dem Fahrer sagt: „Bringen sie mich in die XY-Straße. Ich sage dann schon, wo ich raus will.“

Na und, zuckten wir an dieser Stelle noch erstaunt – und über G.s sich aufbauende Empörung erstaunt - mit den Schultern, das sie doch nichts besonderes. Das, sagte G., habe er auch gedacht. Bis er das erste Mal aus dem Taxi geworfen worden sei: Der Fahrer sei brüsk auf die Bremse gesprungen und habe nur „raus“ gebrüllt. (Beim nächsten Taxi, räumt G. ein, sei das Anfahren einer Innenstadtadresse ohne Hausnummer dann aber kein Problem gewesen.)

Und zwar dalli

Dennoch: Das Szenario, erzählte G. habe sich mittlerweile einige Male, sicher vier oder fünf Mal im letzten halben Jahr, wiederholt.: Sobald er keine Hausnummer angebe, werde er – mehr oder weniger höflich – aufgefordert, das Fahrzeug zu verlassen. Und zwar dalli. Erklärungen, so G., habe es bisher dafür aber nie gegeben. Und da er eigentlich immer ziemlich zentrale Regionen anfahre, lasse er den Hinweis auf die mögliche Angst der Taxler in dunklen, abgelegenen Gassen dann ausgeraubt zu werden, nicht gelten.

Außerdem, so G. existiere das Problem immer nur dann, wenn er alleine unterwegs sei. Sobald sein Freundin oder sonst wer mit einsteige, habe kein Taxilenker ein Problem, ganze Straßenzüge abzufahren um auf das Kommando „Stop“ anzuhalten. G. ist deswegen mittlerweile ein bisserl ratlos. Es gehe da, wurde G. nämlich von einem der Taxler erklärt, als der ihn nicht mitnehmen wollte, nämlich ums Prinzip ­ und das habe mit G.s Hautfarbe (dunkelschwarz) absolut nichts zu tun.

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