Wiener Städtische: "Bawag bietet keinen Anreiz"

7. Juni 2006, 09:56
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Die Städtische finanziert zwar das Rettungspaket für die Bawag mit, will von einer Beteiligung an der Bank aber nichts mehr wissen

Wien – Nach dem Chef der Erste Bank, Andreas Treichl, hat am Montag auch Städtische- General Günter Geyer eine Beteiligung an der Bawag abgelehnt. Geyer, der bisher immer betont hatte, wenn, dann nur gemeinsam mit der Erste Bank bei der Bawag einsteigen zu wollen, kommentierte seine Meinungsänderung bei der Präsentation der Quartalszahlen so: "Nach den vorliegenden Informationen über die Bawag bietet sich für uns nicht der geringste Anreiz, bei der Bawag einzusteigen. Sollte der ÖGB wünschen, dass die Städtische sich bei der Bawag engagiert, müsste er ein sehr attraktives Angebot machen. Andernfalls sehe ich keine Möglichkeit, dem Bawag-Thema näher zu treten."

"Wenn wir uns engagieren, müsste das auch für uns wirt 2. Spalte schaftlich sinnvoll sein"; die Zahlen hätten "aus heutiger Sicht keinen Charme" für die Städtische, sich zu engagieren, betonte der Städtische- Chef. "Was immer mit der Bawag geschieht, wir werden uns in unserer Ostexpansion nicht beeinflussen lassen", so Geyer. Wenn die Bank zum Verkauf ausgeschrieben wird, werde man sich zwar die Unterlagen holen. Derzeit sei die ganze Struktur – Preisfrage, US-Vergleich, Situation der Bank selbst, Frage der Identifikation mit dem Eigentümer – für die Städtische in keiner Form interessant.

Erste Bank lehnt ab

Erste-Bank-Chef Treichl hatte vergangene Woche bei der Hauptversammlung der Erste Bank mit deutlichen Worte sein Nicht-Interesse an der Bawag geäußert: "Wir haben unser Interesse an der Bawag deswegen nicht bekundet, weil es nicht besteht." Die Erste Bank und die Städtische kooperieren seit rund drei Jahren. "Die Erste bietet Veranlagungen an, die Städtische Versicherungen – und die Mitarbeiter vermitteln einander die Kunden", meinte Geyer in einem STANDARD-Interview im Vorjahr. Für Geyer war die Erste daher bisher auch in Sachen Bawag der bevorzugte Partner.

Am Rettungspaket für die Bawag, dass die Banken und Versicherungen 450 Mio. Euro kostet, wird sich die Städtische voraussichtlich mit 25 Mio. Euro beteiligen. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Bawag in den USA einen Vergleich erzielt.

Von der zu Jahresbeginn platzierten Kapitalerhöhung im Volumen von 900 Mio. Euro hat die Städtische 350 Mio. Euro für Zukäufe und Kapitalerhöhungen bereits ausgegeben, heuer werden weitere 80 Mio. in das organische Wachstum fließen.

Trotz hoher Schadenbelastung durch Schneedruck und Hochwasser im Ausmaß von 50 Mio. Euro hat die Städtische im ersten Quartal den Gewinn vor Steuern um 31,5 Prozent auf 73 Millionen Euro erhöht.

Als einer der größten Financiers des Versicherungsverbandes (2,5 Mio. Euro jährlich) wünscht sich Geyer dort mehr Effizienz. Der Verband sei organisiert wie vor 20 Jahren, es mache "keinen Sinn die aufgeblähten Strukturen weiter zu erhalten", sagte Geyer-Vize Karl Fink. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.5.2006)

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