Zielgruppe: 60.000 Millionäre

12. Juli 2006, 16:32
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Der auf hochpreisige Immobilien spezialisierte Wiener Makler Peter Marschall erklärt im STANDARD-Gespräch, warum dieser Markt besonders unübersichtlich ist

Warum der Luxusimmobilien-Markt besonders unübersichtlich ist, und was es mit den legendären russischen Investoren wirklich auf sich hat, erklärte der auf hochpreisige Immobilien spezialisierte Wiener Makler Peter Marschall im Gespräch mit Gerhard Rodler.

STANDARD: Sie haben sich neben der Vermittlung von Zinshäusern auf Luxuswohnimmobilien im In- und Ausland spezialisiert. Wer kann sich solche Objekte hier zu Lande leisten?

Marschall: Luxusimmobilien sind in Österreich eine feine Marktnische, die gar nicht so klein ist. Laut einer seriösen Studie haben immerhin 0,8 Prozent der Österreicher - also über 60.000 Menschen - mehr als eine Million Euro sofort verfügbares Kapital. Dieser Personenkreis ist die Zielgruppe für teure Immobilien.

STANDARD: Dazu kommt dann wohl auch ein Vielfaches an Ausländern. Die Kaufwut russischer Interessenten am heimischen Luxusimmobilienmarkt ist ja legendär.

Marschall: Die ist wohl mehr eine Legende. Gut 90 Prozent der Käufer von Luxusimmobilien in Österreich sind Inländer, die "Kaufwut" russischer Geldanleger wird sehr stark übertrieben. Anders ist es bei Luxusmietobjekten. Während dieses Segment für Österreicher wenn überhaupt, dann nur als Übergangslösung interessant ist, treten überwiegend Botschaften und internationale Konzerne als Mieter solcher Objekte auf.

STANDARD: Wie viele Transaktionen gibt es im Luxussegment in Österreich dann im Durchschnitt jedes Jahr?

Marschall: Das lässt sich so nicht beantworten, denn Luxuswohnimmobilien - das sind in meiner Definition Wohnungen um mehr als 500.000 oder 600.000 Euro beziehungsweise Villen um mehr als eine Million Euro - werden vielfach direkt, also ohne Makler, gehandelt. In diesen Kreisen kennt man einander, und wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis passt, wird kein Makler benötigt.

STANDARD: Daraus könnte man den Umkehrschluss ziehen, was an Luxusimmobilien von Maklern angeboten wird, ist also preislich überzogen . . .

Marschall: Falsch. Makler haben ja eine Beratungsaufgabe und bringen die Preisvorstellungen des Verkäufers auf ein marktgängiges Niveau herunter. Was also vom seriösen Makler angeboten wird, ist in aller Regel korrekt eingepreist.

STANDARD: Bleiben wir gleich beim Preis: Ist in diesem Segment der Gipfel erreicht - oder kann man die Luxusvilla als gute Geldanlage sehen, die jährlich kräftig an Wert zulegt?

Marschall: Das ist sehr unterschiedlich. Im ersten Wiener Gemeindebezirk beispielsweise klettern die Preise unaufhaltsam in die Höhe. Vor fünf Jahren haben die Spitzenobjekte hier 6000 bis 7000 Euro pro Quadratmeter gekostet, heute ist Vergleichbares nicht unter 10.000 Euro zu haben.

STANDARD: Das sollte aber jetzt doch genug sein . . .

Marschall: Ich erwarte hier weitere Preissteigerungen, in Paris oder London kosten derartige Objekte immerhin 20.000 bis 25.000 Euro. Das werden wir zwar wohl kaum erreichen, aber man sieht daran, dass nach oben hin noch Spielraum ist. Das Angebot ist hier zu Lande sehr stark begrenzt, doch die Nachfrage boomt. Das gilt aber nur für den ersten Wiener Bezirk und für absolute Top-Objekte, die in jeder Hinsicht perfekt sind. Schon ein ganz kleiner Makel reicht, und die Welt sieht ganz anders aus.

STANDARD: Wo findet man in Österreich echte Luxusimmobilien?

Marschall: In Wien sind das der 13., 18. und 19. Bezirk sowie Teile des 14. und 17. Bezirkes, in den Bundesländern die Stadt Salzburg und das Salzkammergut, Kitzbühel in Tirol und der Wörthersee. Theoretisch auch noch der Arlberg, aber dort gibt es praktisch kein Angebot.

STANDARD: Also bezieht sich Luxuswohnen außerhalb Wiens vor allem auf Ferienwohnsitze.

Marschall: Abgesehen von den Bundeshauptstädten zu einem guten Teil ja, allerdings kaufen die Österreicher auch sehr gerne gehobene Ferienimmobilien im Ausland. Portugal hat da einen großen Reiz - hier biete ich im Rahmen des Christie's-Netzwerkes ein spezielles Objekt an. Spanien boomt nach einer Flaute vor einigen Jahren, ebenso Kroatien und Mallorca. Als Geheimtipp mit großem Entwicklungspotenzial sehe ich übrigens die türkische Riviera.

Das Gespräch führte Gerhard Rodler.
  • Der Wiener Makler Peter Marschall hält die legendären russischen Anleger für eine Legende: "90 Prozent der Käufer von Luxus- 
immobilien in Österreich sind Inländer."
    foto: marschall immobilien

    Der Wiener Makler Peter Marschall hält die legendären russischen Anleger für eine Legende: "90 Prozent der Käufer von Luxus- immobilien in Österreich sind Inländer."

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