Haut oder Knochen

22. Mai 2006, 10:19
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Bei Vitamin D Mangel wird den Knochen noch zusätzlich Kalzium entzogen - übertriebener Sonnenschutz tut auch nicht gut

Im beginnenden 20. Jahrhundert war Rachitis eine regelrechte Volkskrankheit, vor allem in den Industrievierteln der ArbeiterInnen, wo Dauersmog den Himmel verfinsterte und Kinder an schweren Knochendeformationen litten.

Lichtmangel

Schließlich wurde sowohl die Ursache als auch eine wirksame Therapie gefunden: Rachitis wird - neben schlechter Ernährung - von Lichtmangel ausgelöst und kann am einfachsten mit Lebertran kuriert werden.

Dessen wichtigster Inhaltsstoff wurde Vitamin D getauft, obwohl es sich dabei in Wahrheit nicht um ein Vitamin, sondern ein Prohormon handelt. Ohne diesen Hilfsstoff ist im Darm die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung gestört, und damit entfällt mit dem Kalk der wichtigste Zement für solide Knochen.

Täglich ins Freie

Bei Vitamin-D-Mangel wird den Knochen sogar zusätzlich noch Kalzium entzogen. 80 Prozent dieses Vitaminhormons wird über den Einfluss der UV-Strahlen der Sonne unmittelbar in der Haut erzeugt. Und zwar aus Cholesterin. Etwa drei Sonnenbäder pro Woche im Ausmaß von etwa dreißig Minuten genügen im Normalfall, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Im Alter nimmt diese Fähigkeit jedoch etwas ab. Deshalb ist es besonders für ältere Menschen wichtig, sich möglichst täglich im Freien aufzuhalten.

Sonne gegen Osteoporose

Bettlägerige PatientInnen sollten aus diesem Grund rasch wieder mobilisiert - oder zumindest samt Bett auf die Sonnenterrasse gerollt werden.
Problematisch wirken sich auch übertriebene Kampagnen gegen Hautkrebs aus. "Manche trauen sich nur noch mit Sonnenschutzfaktor 60 ins Freie", beklagt Osteoporose-Experte Kurt Weber. "Damit wird jedoch die Vitamin-D-Synthese empfindlich gestört." (DER STANDARD, Print, 22.5.2006)

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