"Goleo"-Macher in Haft

6. Juni 2006, 14:22
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Das WM-Maskottchen ist unschuldig an der Insolvenz seines Her­stellers. Die Justiz ermittelt wegen Luft­nummern um 50 Millionen Euro, der Firmenchef legte ein Geständnis ab

München/Frankfurt - Der Firmengründer und frühere Vorstandsvorsitzende des deutschen Plüschtierherstellers Nici, Ottmar Pfaff, sitzt nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" in Untersuchungshaft. Pfaff habe ein Geständnis abgelegt, berichtet das Blatt in seiner Montagsausgabe.

Die Nici AG mit Sitz im oberfränkischen Altenkunstadt produziert unter anderem das WM-Maskottchen Goleo. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Michael Jaffé sagte am Sonntagabend, er habe von der Verhaftung Pfaffs nur gehört, könne diese aber nicht bestätigen. Am Montag soll es eine Presseerklärung der Justiz geben.

Polierte Bilanz

Bereits seit dem Jahr 2000 habe Pfaff mit Scheinrechnungen einen Umsatz von über 50 Millionen Euro erzielt, hieß es am Sonntagabend aus Justizkreisen. Unter anderem solle es "manipulierte Verkäufe" an Großabnehmer wie Adidas, Kaufland, Tengelmann und Karstadt gegeben haben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Der Plüschtierhersteller habe diese Forderungen an so genannte Factoring-Gesellschaften verkauft und dafür mehr als 40 Mio. Euro bekommen.

Forderungen der Factoring-Gesellschaft soll Pfaff mit neuen Scheinrechnungen beglichen haben. Mit dem erschwindelten Geld sei die Expansion des Unternehmens finanziert worden, hieß es. Die Forderungen von Banken belaufen sich nach Angaben aus Bankenkreisen auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Nach Angaben der Zeitung hatte Pfaff gehofft mit dem Verkauf von Goleo finanzielle Lücken zu schließen. Die Lizenzgebühr von 3,5 Millionen Euro bezeichnete ein Sprecher von Insolvenzverwalter Jaffé als "eine realistische Größenordnung". Wie viel Umsatz Pfaff mit dem WM-Löwen erzielen wollte, könne er nicht sagen. Auch ob mit dem WM-Maskottchen nur ein Umsatz von 14 Millionen Euro erzielt worden sei, wisse er nicht.

Unternehmen soll fortgeführt werden

Es gebe gute Chancen für eine Fortführung des Unternehmens, sagte der Kanzleisprecher. Die Signale von den Banken seien positiv gewesen. Es müssten aber noch einige wichtige Gespräche mit Kunden und Lieferanten in Asien abgewartet werden. Nici sei weltweit in 40 Ländern tätig und erzielte 2005 einen Umsatz von 155 Mio. Euro. Der Plüschtierhersteller hatte am vergangenen Dienstag Insolvenz angemeldet. (APA/dpa)

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    Die Vermarktung des WM-Maskottchens "Goleo" wird trotz des Insolvenzverfahrens des Spielwarenherstellers Nici aufrechterhalten.

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