Blitzkredit für das Shoppingcenter

12. Juni 2006, 11:20
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"Live now, pay later" lautet das Motto vieler Menschen in Zentral-und Osteuropa. Privatkredite boomen, das Interesse für Sparprodukte nimmt ab

Wien - In den Ländern Zentral- und Osteuropas (CEE) entwickelt sich ein Shopping-Trend. Für das nötige Kleingeld muss oft ein Kredit sorgen. So hat sich das Volumen der Privatkredite seit 2000 verzehnfacht, die generelle Nachfrage nach Finanzierungen steigt enorm, wie eine Studie der BA-CA ergeben hat.

Als Vorreiter gelten die Rumänen: 16 Prozent der "erwachsenen" Bevölkerung über 15 Jahre hat bereits einen Privatkredit, vor vier Jahren waren es erst drei Prozent. Ein starkes Kreditwachstum weist auch Kroatien auf: Die Anzahl der Bevölkerung mit Krediten hat sich seit 2001 auf 22 Prozent verdoppelt. Steil gestiegen sind Kredite auch in Serbien und Montenegro (von drei Prozent 2001 auf neun Prozent 2005) und Bulgarien (von drei auf sieben Prozent).

Privatkredite in Form von rasch ausgezahlten "Cash Loans" gelten als Zugpferd unter den vertriebenen Produkten in der Region.

Mit der steigenden Anzahl von Krediten sinkt die Verwendung von Sparprodukten. "Die Gründe dieses Trends sind einfach: Wie in Westeuropa möchten die Leute gut leben, konsumieren und kaufen, und zwar hier und heute. Daher bleiben die Gehälter für die tägliche Verfügbarkeit auf den Konten, anstatt wie zuvor aufs Sparbuch zu wandern", erklärt Martin Mayr, CEE-Experte der BA-CA. Gleichzeitig würden, wenn das Geld am Konto nicht reicht, Kleinkredite für Fernseher oder Computer aufgenommen. "Der Bedarf an solchen Finanzierungsformen steigt kontinuierlich" sagt Mayr.

Neben den klassischen Privatkrediten werden auch Konto-Überziehungsrahmen als "Überbrückungskredite" verwendet, sie sind vor allem in Slowenien (51 Prozent der Bevölkerung) und Kroatien (46 Prozent) beliebt.

Bankdienstleistungen würden in der Region CEE zunehmend nachgefragt. In Slowenien ist die Durchdringung am höchsten, 99 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahre haben Geschäftsbeziehungen zu einer Bank. Am anderen Ende der Skala liegen Bosnien-Herzegowina und Bulgarien mit lediglich 37 Prozent.

Großes Potenzial

"Das zeigt das große Potenzial der Region. Insgesamt haben 150 Mio. Menschen in den Ländern Zentral- und Osteuropas noch keine Bankverbindung", erläutert Andrea Moneta, BA-CA-Vorstand für Zentral- und Osteuropa.

Die Anzahl der Kontobesitzer in CEE nehme kontinuierlich zu, wenngleich die Zahl im Vergleich zu Österreich teilweise sehr gering ist. Während 93 Prozent der Österreicher eine Kontoverbindung haben, liegt die Rate in Rumänien, Bulgarien und Bosnien-Herzegowina noch um oder unter 35 Prozent. In den vergangenen Jahren hat am stärksten Serbien und Montenegro aufgeholt: Hier stieg die Kontobesitzrate von 38 Prozent im Jahr 2001 auf 60 Prozent im Jahr 2005.

Eng mit der Kontobesitzrate verknüpft sei die Ausstattung mit Bankkarten. Mit 86 Prozent Kartenbesitz liegen die Slowenen bereits vor Österreich (78 Prozent), während in Bosnien-Herzegowina erst 15 Prozent der Bevölkerung über eine Bankkarte verfügen. "Im Kreditkartenbereich erwarten wir einen starken Zuwachs und deutliche Innovationen in den nächsten Jahren", meint Moneta.

Tschechen und Slowaken sind dagegen die eifrigsten Sparer der Region, 56 Prozent der Bevölkerung legen Geld beiseite. In Serbien und Montenegro sind es neun Prozent und fünf Prozent in Bosnien-Herzegowina.

Das Ranking der geplanten Investitionen der Bevölkerung in CEE wird von Urlauben und Sportaktivitäten angeführt. Mit großem Abstand folgen Ausbildung - und zwar die eigene und jene der Kinder -, die Ausstattung der Haushalte und der Bereich Gesundheit. (Bettina Pfluger,, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.5.2006)

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    grafik: standard/unicredit group/ba/ca
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