Unökologische Geschäfte

6. Juni 2006, 14:22
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Global 2000 übt Kritik an Borneo-Projekten von Andritz und RZB

Wien - Tragen österreichische Unternehmen dazu bei, dass Indonesiens Regenwald dezimiert wird? Am Pranger stehen Andritz, die Maschinen für die Papierindustrie herstellt, sowie die Raiffeisen Zentralbank (RZB), die einen Teil des Projektes finanziert.

"40.000 Hektar Regenwald stehen in Borneo vor der Rodung, Andritz und RZB könnten dies jedoch verhindern", sagt Daniel Hausknost von Global 2000. Die Rede ist von einem Hackschnitzelwerk auf der Insel Pulau Laut vor der Südspitze Borneos. Andritz liefert die Technologie für dieses Projekt, gegen das auch indonesische Umweltschützer seit Jahren protestieren.

Der Grund: Es gebe zu wenig Holz aus extra für die Papierproduktion angelegten Plantagen, um das Werk ohne die Zerstörung von Naturwäldern zu versorgen. Financier RZB sieht das anders: Das Werk habe nur geringe Kapazitäten, somit sei die Versorgung aus den umliegenden Plantagenhölzern gesichert, sagt RZB-Sprecher Andreas Ecker: "Wir wissen, dass es sauber ist."

Global 2000 sagt, es sei unverantwortlich, in Indonesien überhaupt ein neues Zellstoff-oder Hackschnitzelwerk zu bauen, denn die indonesische Zellstoffindustrie beziehe zwei Drittel ihres gesamten Holzbedarfs "unnachhaltig aus Regenwäldern".

Vorwürfe auf dem Lateinamerika-Alternativgipfel

Andritz stand bereits beim Lateinamerika-Alternativgipfel im Mittelpunkt der Kritik. Die Papierindustrie-Projekte, für die Andritz Technologien liefert, würden in Südamerika zu Vertreibungen von Kleinbauern führen, die Eukalyptus-Plantagen die Böden entwässern. Ein weiteres, noch in Planung befindliches Zellstoffprojekt in Borneo würde zur Vergiftung der Flüsse, Waldzerstörung und zu neuen Landrechtskonflikten führen.

Alles Vorwürfe, die Andritz zurückweist. "Wir setzen für jedes Projekt hohe soziale und ethische Standards an", so Sprecher Michael Buchbauer. "Außerdem: Auch hier zu Lande werden kleinbäuerliche Strukturen zerstört. Und der Konsument trägt ebenso mit Verantwortung." (Teresa Arieta, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.5.2006)

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