Geldspritze zur Verlustverdauung

8. Juni 2006, 16:16
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Kärntner Hypo vor Bescheid der FMA - bis hin zu Kulterer-Abgang

Wien - Die Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank soll eine kräftige Kapitalspritze in der Höhe von 250 Mio. Euro bekommen, der Miteigentümer Land wird Anteile verkaufen. Zwar hat Bank-Chef Wolfgang Kulterer dementiert, dass die Geldzufuhr etwas mit dem herben Spekulationsverlust (288 Mio. Euro) aus dem Jahr 2004 zu tun hat, ganz so ist es aber nicht. Ohne die 250-Millionen-Spritze würden der gesamten Hypo-Alpe-Adria-Gruppe im laufenden Geschäftsjahr 86 Millionen Euro Eigenmittel fehlen. Die 250 Millionen Euro bereits eingerechnet, ergibt sich laut dem STANDARD vorliegenden Informationen dagegen eine Überdeckung von 164 Mio. Euro.

Rückblick: Der Verlust des Jahres 2004 wurde in der Bilanz desselben Jahres nur zu einem kleinen Teil verbucht. Die Wirtschaftsprüfer haben ihr Testat zurückgezogen (ein einmaliger Fall in der österreichischen Bankengeschichte), die Bilanz für 2004 musste jetzt neu erstellt werden.

Die Finanzmarktaufsicht FMA hat gegen den Vorstand ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, sie wirft ihm vor, den Aufsichtsrat zu spät, die Wirtschaftsprüfer gar nicht informiert zu haben und in der Bilanz 2004 die Lage der Bank nicht wahrheitsgemäß dargestellt zu haben.

Auch die Justiz ermittelt wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation - es gilt die Unschuldsvermutung.

Durch die neuen Zahlen (die "neue" Bilanz 2004 soll einen Verlust von 99 Mio. Euro ausweisen) hat sich die Eigenmitteldecke der Gruppe 2004 massiv verschlechtert: Statt der ursprünglichen Überdeckung von 150 Mio. Euro haben 293 Mio. Euro gefehlt.

Gespannt erwartet man nun (nicht nur) in Kärnten das weitere Vorgehen der Aufsicht, die ihre Vorortprüfung am Samstag abgeschlossen hat.

Als Nächstes wird die Finanzmarktaufsicht ihren Bescheid erstellen. Wes Inhalts, darüber gibt es folgende Varianten: Das Verfahren wird eingestellt, es setzt eine Ermahnung und/oder eine Geldstrafe. Was aber in der Branche erwartet wird, ist, dass die FMA eine Geschäftsleiterenthebung verfügt - die Kulterer den Job kosten würde. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.5.2006)

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