Cognac ist nicht sexy

21. Mai 2006, 17:30
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Ein Gespräch mit Maurice R. Hennessy über den König der Spirits, über den Markt und das Image von Cognac

„Sie wollen wissen, ob ich Cognac sexy finde? Da sag ich nein. Aus einem einfachen Grund: Cognac ist ein wunderbarer Drink, er ist der König der Spirits. Wenn er also der König ist, ist er männlich. Die Frauen lieben ihn, und die Männer mögen ihn. Also ist er für beide ein Genuss. Er entfaltet sich über den Geschmack, ob pur oder als Cocktail, und so kann sich jeder das aus ihm holen, was ihm oder ihr am besten schmeckt.“

Vielleicht, sagt der Chef des weltgrößten Cognac-Produzenten, hat es vor einiger Zeit eine Krise des Cognac gegeben – aber diese Krise habe Hennessy nie zu spüren bekommen. Eher im Gegenteil: „Der Absatz steigt. Wenn es sowas wie eine Krise gibt, dann beschränkt sich diese auf einige ‚alte’ europäische Länder. Hier in ‚good old europe’ gibt es wohl eine gewisse Stagnation. Die aber wird aufgefangen und wettgemacht durch den steigenden Absatz in Ländern wie China, Indien, Russland und den USA.“

Relevante Steigerung

Überdies stellen Maurice Hennessy und sein Geschäftsführer in Österreich, Lysander Oerlemans, unisono fest, dass es eine relevante Steigerung im gehobenen Segment gibt. Auch in Europa nimmt der Absatz von Cognac im Bereich von XO, Paradies Extra, Hennessy Richard und auch beim exclusiven Hennessy Ellipse deutlich zu. „In diesem Bereich haben wir auch hier in Österreich den Absatz verdoppelt, was vor allem auf den erhöhten Absatz im der Gastronomie zurück zu führen ist.“ Insgesamt ist der österreichische Markt im Bereich Cognac kaum in Bewegung, er ist auf einem eher schwachen Niveau stabil. Nur im höherpreisigen Qualitätssegment gibt es die Zuwächse, die oben genannt wurden.

Vier Millionen Fässer werden bei Hennessy jährlich mit dem Grunddestillat aus den Ugni blanc-Trauben der Grande Champagne befüllt. Die traditionsreiche Familie ist ursprünglich aus Irland in die Champagne ausgewandert und dort in der mittlerweile achten Generation tätig.

Aus den besten Lagen

Hennessy benötigt pro Jahr die Trauben von ca 25 000 ha Weingärten – 180 ha davon gehören Hennessy selbst. Die restlichen Trauben bezieht das Unternehmen von 1700 unabhängigen Weinbauern, die für Hennessy bereits seit mehreren Generationen arbeiten. Des Weiteren sucht sich Hennessy ausschließlich die besten Weingärten auf den besten Grundstücken aus und kontrolliert zusätzlich die verschiedenen Etappen der Weinherstellung. Die Weinbauern werden dabei aktiv unterstützt, indem Laboratorien und Oenologen zur Verfügung gestellt werden. Durch diese Arbeitsteilung kann sich jede der beteiligten Parteien auf die jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren. Für Hennessy als Cognac-Hersteller sind das im wesentlichen die Prozesse der „Reifung“ und der „Vermählung“.

Mehr Moskau als Wien

Hauptabsatzgebiet ist derzeit die USA, wo Hennessy rund 60 Prozent des Marktes beherrscht. Fast die Hälfte der gesamten Produktion wird allein im Land des Bourbon abgesetzt. Seit gut 15 Jahren ist auch der Markt in Russland so stark in Bewegung, dass sich Messieur Hennessy jährlich mehrere Wochen dort aufhält. Die Wienbesuche nehmen sich dagegen sehr bescheiden aus, aber zwei-, dreimal war er auch schon in der Hauptstadt. Diesmal ging sich gerade mal ein Besuch im Stephansdom aus, wo Maurice Hennessy vor allem von der schönen Orgel mit ihren vielen Pfeifen angetan war.

Ganz einfach Qualität

Und was ist jetzt wirklich mit der öfter beschworenen Krise des Cognac? Gibt’s da nicht wenigstens ein kleines Problem?

Davon ist Maurice Hennessy nichts bekannt. Sagt er und fügt hinzu: „Wir arbeiten also auch nicht an einem neuen Image. So lange ich mich erinnern kann, haben wir unsere Tradition hochgehalten und versuchen auch heute, ganz einfach Qualität herzustellen. Wir machen keine Alko-Pops oder ähnliche Sachen, aber Cognac war und ist immer auch die Basis für gute Longdrinks und Cocktails gewesen. Wenn man einmal über die Grenzen Europas hinauskommt, dann ist es ganz normal, dass Cognac als Longdink – ob mit Tonic, Soda oder Ginger Ale – konsumiert oder als Basis für alle möglichen Cocktails hergenommen wird.“

Ein kleiner Wettbewerb dazu findet derzeit auch in Wien statt, aber sowohl Mr. Hennessy als auch der Geschäftsführer von Moét Hennessy in Wien betrachten dies mehr als kleinen, netten Schmäh. Aber man weiß nie, ob das, was dabei herauskommt, nicht doch einmal ein Renner wird. Irgendwas eingeborenes, mit Erdbeeren oder Zwetschken oder so. Ergebnisse dazu liegen freilich noch keine vor. Man wird sehen, was schließlich herauskommt. Wenn sich nichts findet, dass als „Cocktail Vienna“ durchgeht, bleibt immer noch der pure Drink.

Ein kühles Vergnügen

So wie ihn Maurice Hennessy favorisiert. Die ganz einfache Variante eines Longdrinks: Hennessy XO mit Perrier-Wasser und Eis. Ein kühles und sanftes Vergnügen. Dann und wann aber trinkt er auch einen Miami-Cocktail, weil der Cognac sich sehr gut auch mit den Minzeblättern verträgt und ohne Weiteres einen Mojito ersetzen kann. Schließlich sollte man wissen, dass all die Cocktails, die auf dieser Welt erfunden wurden, auf der Basis von Cognac entstanden sind. Rum hat es zwar im 19. Jahrhundert auch schon gegeben, aber eher selten als Mix-Basis für die Kreativ-Trinker. Hennessys Rat: „Versuchen Sie mal Ihren Lieblings-Cocktail mit Cognac zu machen: Ich bin sicher, Sie werden es lieben!“

All den diversen Meinungen, Cognac sei in der Krise und werde nun mit finanzschweren Kampagnen und einigen Schönungen wieder auf Vordermann gebracht, kann Hennessy folglich nichts abgewinnen. „Unsere Cognacs,“ sagt er, „sind ein komplett natürliches Produkt. Da wird nichts beschönigt, alles pure Natur, ohne jeden Zusatz. Wir sind ja keine Chemiefabrik. Das einzige, was wir machen: wir lassen den Cognac im Fass reifen, in französischen Barrels, und dann komponieren wir unsere Blends“.

Grosse Nummer auf dem Markt

Hennessy ist, man muss es fast nicht dazu sagen, eine richtig große Nummer auf dem Markt der Spirits. Die Produktion beläuft sich pro Jahr auf rund 50 Millionen Flaschen. Jede dritte Flasche Cognac stammt also – weltweit gesehen – aus dem Hause Hennessy. „In Amerika und Asien sind wir eindeutig die Nr. 1, in Österreich liegt Remy Martin zwar vor uns, aber im gehobenen Qualitätssegment können wir da schon mithalten,“ bilanziert Lysander Oerlemans die Marktlage.

So ist die Destillerie im kleinen Städtchen Cognac beispielsweise auch der gößte Einkäufer von Eichenfässern, jährlich werden mehr als 10.000 neue Fässer gekauft. Der Reifeprozess dauert dann natürlich viele Jahre, aber nie und nimmer kommen, so der Chef des Hauses, Eichenchips oder andere Zusätze bzw. Aromastoffe in die Produkte des Hauses Hennessy.

Blendmaster in der 7. Generation

„Wir haben so um die 250.000 Fässer in unseren Lagerhäusern. Natürlich braucht es fundierte Kenntnisse, um diesen Reifeprozess zu steuern, aber dazu haben wir – jetzt auch schon in der siebten Generation – die Blendmaster aus der Familie Filioux. Und diese Leute verstehen ihr Geschäft sehr gut.“ Was hier unwidersprochen stehen bleiben kann.

Die Basis für den Erfolg und die Lösung eventueller Imageprobleme sieht Maurice Hennessy in der hohen Qualität der Grundprodukte und dem großen Lager an unterschiedlich gereiften Bränden, aus denen die verschiedenen Qualitäten vom VSOP über XO und Paradies bis hin zum Hennessy Ellipse – wobei letzerer Anteile von gereiften Destillaten zwischen dreißig und 200 Jahren enthält – hergestellt werden.

Neues entsteht zwar auch, aber nur im kulinarischen Bereich, also der Kombination von Cognac und Essen. So wurde bei der Präsentation im Club K47 ein Glas XO mit einem Soufflé, dessen Kern aus noch flüssiger Schokolade bestand, serviert. Was soll man sagen, ausser: Besser als jeder Wein, und sei er noch so kräftig und vielschichtig, passt dazu wirklich ein guter Cognac. Allerdings muss es auch ein wirklich guter sein.

Rezepte

Cognac-Cocktails

Von Vene Maier

Cognac-Cocktails
  • Artikelbild
    foto: hennessy
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