Werbeumzingelung

4. Juli 2006, 21:39
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Mögen die Sender noch so sehr miteinander wetteifern, bezüglich Werbung haben sie einen gemeinen Pakt geschlossen ...

Wenn uns das Thema Werbung im TV beschäftigt, und das tut es oft, müssen wir immer auch an Luciano Pavarotti denken, jenen sympathischen Tenor im Herbst seiner Möglichkeiten, dessen global populäres Lächeln ihm auch so manchen stolzen Werbevertrag eingebracht hat.

Die Geschichte: Während der Aufnahmen für einen Spot - es ging um das Anpreisen irgendeiner Kreditkartenfirma - befragte man den Mann in einer Drehpause, was er denn so von Werbung halte.

Luciano dachte nicht lange nach und gab, die Erstarrung der Werbeleute, die ihn betreuten, übersehend, mit sanfter Stimme zu Protokoll: "Ich finde Werbung im Fernsehen sehr praktisch - immer wenn sie läuft, kann ich Dinge daheim erledigen, bis die Werbung wieder vorbei ist!" Nun, diese Methode hilft ein Weilchen, aber wenn man viel schaut, ist irgendwann die Wohnung sauber, und die engagierte Putzmanagerin kommt nur noch vorbei, um Geld abzuholen und Zeitung zu lesen. Geht irgendwie nicht. Man versucht also der Werbung auszuweichen, indem man zappt. Doch siehe da, man ist in der Regel plötzlich das Opfer einer Werbeverschwörung. Mögen die Sender nämlich noch so sehr miteinander um Seher wetteifern, bezüglich der Werbung haben sie offenbar einen gemeinen, geheimen Pakt geschlossen.

Sie senden Werbeblöcke fast immer zeitgleich, als wären sie Zwillinge, was zum Gefühl der Umzingelung führt - man will nicht immer zum Kauf von Dingen animiert werden, die man mehrfach besitzt. Und man kann ja auch nicht ewig zu 3sat ausweichen. Das Problem wird natürlich bleiben, es aber dargestellt zu haben, verschafft uns ein Gefühl der Erleichterung. Danke. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 20./21.5.2006)

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