Auch steirische Hypo baute Riesenflop

1. Juni 2006, 17:13
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Mit riskanten Leasinggeschäften in Kroatien verlor die Hypo Steiermark 50 bis 60 Millionen Euro. Nur mit stillen Reserven rettete sich die Raiffeisen-Tochter ins Plus

Graz - Einen folgenreichen Flop - beinah im Ausmaß der Nettozinserträge eines ganzen Jahres - hat die Hypo Steiermark zu verdauen. Mit risikoreichen Auto- und Maschinen-Leasinggeschäften in Kroatien verlor die Landes-Hypothekenbank AG, die zu 75 Prozent der Raiffeisen Landesbank Steiermark AG gehört, laut dem Standard vorliegenden Dokumenten rund 50 bis 60 Mio. Euro.

Ohne Aktivierung stiller Reserven im Ausmaß von 9,5 Mio. Euro wäre die Hypo im Jahr 2005 - erstmals in der Unternehmensgeschichte - ins Minus gerutscht.

Aufsichtsratsmitglied warnte

Begonnen hatte das Dilemma in der dalmatinischen Küstenregion, wo die Hypo 1996 erste Leasinggeschäfte aufbaute. Im Jahr darauf wurde das Business auf den Großraum Zagreb ausgeweitet. In der Aufsichtsratssitzung vom 23. März 2001 wurde die Gründung einer kroatischen Tochtergesellschaft in Zagreb, die Hypo Leasing Steiermark d.o.o., an der auch die Raiffeisenbank über die Muttergesellschaft Futura LHB-RLB Leasing Holding GmbH beteiligt ist, beschlossen.

Schon damals warnte ein Aufsichtsratsmitglied vor dem Risiko derartiger Leasinggeschäfte. Ohne Erfolg. Man betrieb das Geschäft weiter und es nahm beachtliche Dimensionen an - wie auch die ausbleibenden Leasing-Raten, die von Kunden nicht bezahlt wurden. Die Hypo Steiermark saß nicht nur Betrügern auf, sie schätzte auch die kroatische Rechtssituation, die einen Zugriff auf die Leasingobjekte - Autos und Maschinen - nicht zulässt, offenbar völlig falsch ein. Fazit: In der Aufsichtsratssitzung vom 16. Dezember 2005 bezifferte der vom 25- Prozent-Hypo-Eigentümer Land Steiermark in den Hypo-Aufsichtsrat entsandte, stellvertretende Aufsichtskommissär den Schaden mit rund 50 bis 60 Millionen Euro. Was unwidersprochen blieb.

Stillschweigen

Die Causa Kroatien, über die bis heute strengstes Stillschweigen bewahrt wurde, musste verdaut werden. Die Bankspitze wählte eine diffizile Konstruktion. Die Hypo veräußerte RZB-Anteile und kaufte "zur Optimierung der Bilanzgestaltung 2004", wie es in einem entsprechenden Bericht vom 29. November 2005 heißt, einen unbelasteten GmbH-Mantel von der Raiffeisen Landesbank Steiermark, die "Aquila Vermögensverwaltungs- und Beteiligungs-GmbH". Über diesem Umweg konnten die stillen RZB-Reserven bilanztechnisch genutzt werden.

Hypo-Generaldirektor Alfred Goger bestätigte am Freitag, dass in Kroatien "einiges schief gelaufen ist". Goger im Gespräch mit dem STANDARD: "Die Sache wurde 2005 in der Bilanz abgearbeitet, die weitere Entwicklung ist derzeit noch nicht abschätzbar. Ob es 50 bis 60 Millionen sind, hab ich jetzt nicht im Kopf. Wenn, dann ist es die Summe der Wertberichtigungen." Die Sache liege nun auch bei den kroatischen Gerichten. Eine Gefahr für die Bank habe nicht bestanden, wiewohl das operative Geschäft ohne Hebung von stillen Reserven 2005 "nicht positiv verlaufen" wäre.

Verzicht auf Disziplinarverfahren

Gegen den Leasing-Verantwortlichen übrigens, der das Kroatiengeschäft vor den Augen des Hypo-Aufsichtsratpräsidenten, des "Grand Seigneur" von Raiffeisen und Styria-Aufsichtsrats, Georg Doppelhofer, in den Sand gesetzt hatte, wurde ein Disziplinarverfahren kurz überlegt, dann aber darauf verzichtet. Dr. S. wurde einvernehmlich und mit voller Abfertigung verabschiedet. Das Dienstverhältnis wurde am 31. März 2006 beendet. Dr. S. wechselte in die Berufsunfähigkeitspension. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.5.2006)

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    montage: derstandard.at
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