Musenkuss

2. Juni 2006, 17:25
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Ganz erforscht ist die Rezeptur des Erfolges ja noch nicht, gesucht wird sie unermüdlich, spekuliert wird darüber viel

Meist werden den Erfolgreichen – Wissenschaftern, Unternehmern, Musikern, Erfindern – unwiderstehliche Gaben der Natur, der Gene, zugesprochen. Oder Eingebungen, überdurchschnittliche Intelligenz und ein Feengeschenk des Talents mit der richtigen Prise Glück.

Das klingt entmutigend für die restlichen 98 Prozent, die auch gern erfolgreich sein wollen, aber mit eher durchschnittlichen Naturgeschenken ausgestattet sind. Sollte es aber nicht! Denn in der Psychologie mehren sich die Studien, wonach die Hartnäckigen mit größerer Wahrscheinlichkeit in Schule, Beruf oder auf anderen Gebieten erfolgreich sind als die Hochbegabten, weil Erstere Rückschläge besser verkraften.

Menschen scheitern meist nicht, weil sie unbegabt oder unintelligent sind, schreibt dazu das aktuelle Psychologie heute. Sondern weil sie nicht "dranbleiben".

Der wahre Kuss der Muse, so mehren sich die Forscherstimmen, kommt demnach von innen. Nämlich aus der Hartnäckigkeit als einer besonderen Form der Selbstmotivation, als Kraft, die sich im Tun immer wieder selbst erneuert. Dies auf Basis der Leidenschaft für das, was man erreichen will.

Die Sucht nach schnellen Erfolgen ist dabei sicher hinderlich. Die Gier nach schneller Sichtbarkeit steht dabei im Weg. Die Suche nach optimaler Zerstreuung und maximalem Fun-Faktor wirkt auch dagegen. Dagegen besteht eine gute Chance, Leidenschaft zu entdecken, einen langen Atem zu trainieren und Optimismus zu kultivieren. (Der Standard, Printausgabe 20/21.5.2006)

Von Karin Bauer
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