Das Südosteuropa der Literatinnen

19. Mai 2006, 12:56
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Anthologie "Frauen schreiben" in Graz präsentiert - 20 Autorinnen schreiben über ihre Heimat

Graz/Wien - Literarische Bestandsaufnahmen und selbstreflexive Essays versammelt der jüngst bei Leykam erschienene Band "Frauen schreiben. Positionen aus Südosteuropa", der den Abschluss der gleichnamigen Veranstaltungsreihe des Grazer Kulturzentrums bei den Minoriten bildet. Eineinhalb Jahre lang waren Schriftstellerinnen aus südosteuropäischen Ländern in regelmäßigen Abständen eingeladen, ihren kulturellen Hintergrund zu präsentieren.

Rückfall durch Krieg

Der Tenor der Texte bestätigt allzu oft das Klischee der unterdrückten Autorinnen, die nicht nur jahrelang gegen ein politisches Regime kämpfen mussten, sondern auch von der Männerwelt (literarisch) unterschätzt wurden. So merkt die bosnische Mitherausgeberin Dragana Tomasevic in ihrer Einleitung an, dass "Autorinnen aus diesen Ländern trotz der Qualität ihrer Werke oftmals außer Spezialisten niemandem bekannt sind." Auch die slowenische Grazer Stadtschreiberin Marusa Krese befürchtet in ihrem Beitrag, dass die schreibenden Frauen nach den Wirren des Krieges "eine ganze Generation brauchen werden, um wieder dorthin zu gelangen, wo unsere Mütter schon waren."

Weitere Positionen kommen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien und der Türkei. Nicht nur essayistische Texte, auch literarische Arbeiten spiegeln die Verzweiflung, aber auch Aufbruchsstimmung der Autorinnen wider. Besonders die veröffentlichte Lyrik zeichnet ein authentisches Bild der Szene.

Das Projekt, das Birgit Pölzl (Minoriten) gemeinsam mit dem Internationalen Haus der Autoren Graz und dem Verein ISOP betreut, weist einige bekannte Namen auf, spannende Beiträge kommen etwa von Jasmila Zbanic ("Grbavica"), Tzveta Sofronieva und Marusa Krese, deren Lyrik aus dem Band heraussticht. Im Vorwort begeben sich Pölzl und Robert Reithofer (ISOP) auf die "Suche nach dem weiblichen Kontinent". Am Ende dieser spannenden Anthologie dürften einige Fragen, die man sich zuvor vielleicht gar nicht gestellt haben mag, ausreichend beantwortet sein. (APA)

"Frauen schreiben. Positionen aus Südosteuropa",
herausgegeben von Dragana Tomasevic, Birgit Pölzl und Robert Reithofer.
Leykam-Verlag, Graz 2006.
ISBN 3-7011-7552-7,
9 Euro

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Leykam Verlag

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