Mobiltel füllt die Kassen der Telekom

1. Juni 2006, 16:26
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Mit einem neuerlich kräftig gestiegenen Nettogewinn und überaus positiven Gewinnaussichten bis 2009 überraschte TA-Chef Heinz Sundt ein letztes Mal

Wien – Handytelefonierer generell und jene in Bulgarien im Besonderen besorgten der Telekom Austria (TA) im ersten Quartal 2006 einen deutlich höheren Gewinn als erwartet. Der Nettogewinn stieg um fast 40 Prozent auf 154 Millionen Euro, der Umsatz um 15,8 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) bezifferte die TA am Mittwoch mit 504,3 Mio. Euro, was einer Marge von 43,5 Prozent entspricht.

Als Ertragsperle erwies sich einmal mehr die bulgarische Tochter Mobiltel, obwohl deren Ebitda-Marge von 67 auf 60,7 Prozent gefallen ist. Im Lichte des Markteintritts eines dritten Konkurrenten für Noch-TA-Chef Heinz Sundt dennoch eine "ausgezeichnete Marge". Die Euphorie an der Börse hielt sich in Grenzen: Nach leichten Gewinnen gaben TA- Aktien um 4,43 Prozent auf 18,33 Euro nach. Seit Jänner lag die Aktie praktisch unverändert, während der Eurostoxx-Telecom-Index zwei Prozent im Minus liegt. Die mit knapp 9,6 Mrd. Euro an der Börse bewertete TA weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17,5 aus, ist gemessen am MSCI-Index mit 22, also unterbewertet.

Dividende für 2006 möglich

Daran konnte auch die letzte Mittelfrist-Prognose nichts ändern, die der scheidende TA- Chef gab: 2006 soll der Nettogewinn um rund 20 Prozent steigen und wieder eine höhere Dividende ermöglichen. Für 2005 wurden 0,55 Euro je Aktie ausgeschüttet. 2005 bis 2009 soll der Nettogewinn jährlich im Schnitt um 13 Prozent wachsen, heißt es im Aktionärsbrief.

Nach Jahren mit rückläufigen Zahlen stabil hat sich im ersten Quartal der Umsatz in Festnetz und Internet gezeigt, er stieg vom 530,2 auf 534,9 Millionen Euro, während das Ebitda von 220,1 auf 210,4 leicht schrumpfte. Die Zahl der Breitband-Anschlüsse (ADSL) stieg um 38,8 Prozent auf 616.000. Stabil mit 2,77 Millionen Anschlüssen auch die Telefonie.

Kräftig zugelegt hat einmal mehr der Mobilfunk-Umsatz: plus 30,8 Prozent auf 688,2 Millionen Euro bei einem operativen Ergebnis (Ebitda), das von 212,1 auf 293,6 Millionen Euro zulegte. Ohne Mobiltel betrüge das Plus nur 6,9 Prozent.

Aus der von TA-Großaktionär ÖIAG gewünschten Verkleinerung des TA-Aufsichtsrats wird bei derart vergrößerten Gewinnen übrigens doch nichts: Nicht nur, weil Ex-Sony- Austria-Chef Otto Zich kein Animo hat, seinen Aufsichtsratssessel in der Hauptversammlung am kommenden Dienstag zu räumen. Es liegt daran, dass Neo-ÖIAG-Präsident Peter Mitterbauer wohl als TA-Rat ausscheidet, sein Mandat aber nun doch nachbesetzt wird. Als präsumptives Aufsichtsratsmitglied nannte TA- Chef Sundt in einer Telefonkonferenz Wolfgang C. Berndt, Ex-Manager des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble. Er soll offenbar die Marketing-Kompetenz der Telekom verstärken. Dadurch werden – aufgrund der Drittelparität – auch die Arbeitnehmervertreter nicht automatisch weniger. Sie bleiben mit fünf Mandaten vertreten, und die Kapitalvertreterriege zählt zehn Köpfe. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.5.2006)

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