Weltfrauenkonferenz: Gleichstellung nur am Papier

5. Juni 2000, 13:51

Widerstand gegen sexuelle Rechte und Chancengleichheit der Frauen

Presseerklärung der österr. NGO-Delegation

New York - Fünf Jahre ist es her, dass sich 189 Staaten auf der Weltfrauenkonferenz in Peking auf einen ehrgeizigen Plan einigten, mit dem für Gleichheit zwischen den Geschlechtern gesorgt werden sollte. Noch immer weit von diesem Ziel entfernt, treffen sich ab Montag dieselben Staaten in New York wieder, um sich auf einen Aktionsplan zu einigen, mit dem die Pekinger Ziele schneller erreicht werden sollen. Doch der Vatikan und eine Gruppe islamischer Staaten widersetzen sich den gleichen Vorschlägen, die sie schon in Peking ablehnten. Zu den Streitpunkten gehören sexuelle Rechte für Frauen, sexuelle Aufklärung Jugendlicher und die Definition von Familie.

Konservativer Widerstand gegen sexuelle Selbstbestimmung

"Es wird sehr, sehr klar, dass es einige Länder gibt, die versuchen, sich dem Fortschritt in den Weg zu stellen", konstatiert Linda Tarr-Whelan, die US-Botschafterin bei der Kommission zum Status der Frauen. Tarr-Whelan macht Algerien, Sudan, Libyen, Iran und den Vatikan für den Rückschlag in der Entwicklung nach Peking verantwortlich. Angesichts des konservativen Widerstandes fürchten manche sogar, dass die Konferenz die Ziele von Peking umkehren könnte. Zum ersten Mal hielt damals ein Dokument der Vereinten Nationen das freie Recht der Frauen auf sexuelle Selbstbestimmung fest. Zudem wurden die Regierungen aufgerufen, gesetzlich für eine Gleichstellung der Frauen zu sorgen, Mädchen die gleiche Ausbildung wie Jungen zukommen zu lassen und Frauen in Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft einzusetzen.

Bestreben, Beschlüsse den Systemen unterzuordnen

Mehrere Entwicklungsländer versuchten im Vorfeld der New Yorker Konferenz, die Pekinger Beschlüsse abzuschwächen, wonach die Länder die Pflicht haben, Menschenrechte ungeachtet ihrer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Systeme zu schützen. Sie hatten eine Sprachregelung vorgeschlagen, wonach die Länder die Beschlüsse "in voller Achtung religiöser oder kultureller Hintergründe" umsetzen können. Der Vatikan lehnt zudem die Bemerkungen der Pekinger Konferenz zu nichttraditionellen Familien ab, die dieser als indirekte Anerkennung homosexueller Verbindungen, allein Erziehender und unverheirateter Paare versteht. Gespalten bleiben die Delegationen auch über neue Fragen wie die Auswirkungen der Globalisierung auf Frauen, und wie junge Menschen über die Gefahren durch Aids aufgeklärt werden können.

Noch immer gezielte Tötung weiblicher Föten

Dass sich an den in Peking kritisierten Missständen kaum etwas gebessert hat, zeigen zwei Studien, die die Vereinten Nationen in der vergangenen Woche veröffentlichten. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen kam zu dem Ergebnis, dass es durch gezielte Abtreibung weiblicher Föten, die Tötung neugeborener Mädchen und schlechteren Zugang zu Lebensmitteln und medizinischer Versorgung auf der Welt 60 Millionen Frauen weniger gibt, als nach demographischen Trends zu erwarten gewesen wäre. Eine Studie der Statistischen Abteilung der UNO listet auf, dass weltweit Millionen Mädchen und Frauen körperlich misshandelt werden.

Ausbildungsnachteile

Der Bericht zeigt zudem Benachteiligungen von Frauen in Ausbildung und Beruf auf. So liegt in den Schulen mehrerer afrikanischer und asiatischer Staaten der Anteil der Mädchen um 80 Prozent unter dem von Jungen. Weltweit sind zwei Drittel der Analphabeten Frauen. In der Berufswelt haben Frauen Stellungen ohne großen Einfluss, zudem werden sie schlechter bezahlt als Männer.

Frauen in Regierungen

Die Beteiligung der Frauen in höheren Regierungspositionen hat sich dem Bericht zufolge seit der Konferenz von Peking nicht einschneidend verbessert. Zu Beginn des Jahres 2000 standen nur neun Frauen an der Spitze von Regierungen. Unter den Parlamentsabgeordneten betrug der Frauenanteil 1999 elf Prozent, im Vergleich zu neun Prozent im Jahr 1987. (APA)

Presseerklärung der österr. NGO-Delegation

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