Steuerbegünstigung für Risikokapital

29. Mai 2006, 14:59
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Forschungsrats-Chef Consemüller: Österreich hinkt international nach - Staatlicher Fonds als Anstoß

Wien - Steuerliche Begünstigung für privates Risikokapital fordert der Chef des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Knut Consemüller. Österreich habe in fast allen Innovations-Indikatoren Fortschritte gemacht, nur im Risikokapital hinke man im internationalen Vergleich nach. Dieses betrage in Österreich nur 0,07 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), während es in Schweden bei 0,87 Prozent liege, sagte Consemüller am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Dabei wurde die börsenotierte Firma Intercell, ein Spin Off der Uni Wien, als "Musterbeispiel für gelungene Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft" präsentiert.

Unterschiedliche steuerliche Behandlung

Den Grund für den Rückstand sieht der RFT-Chef in der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung. Neben einer Steuerbegünstigung bedürfe es auch staatlich initiierter Risikokapital-Fonds, wie sie etwa in Großbritannien mit dem Wellcome-Trust oder in Schweden mit dem rund 1,5 Mrd. Euro schweren Löntage-Fonds existierten. Für Consemüller würde "ein kleiner Betrag aus Steuermittel als Anstoß" ausreichen. Damit würde man auch dem internationalen Risikokapital ein Signal geben, und dies wäre besser als klassische Subventionen. Der Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, bezifferte aus der Differenz zwischen Schweden und Österreich die notwendige Größenordnung eines solchen Fonds mit 1,5 bis 2 Mrd. Euro.

Für Winckler liegt der Grund für die zu geringe Risikokapitalisierung in der "zu langen Sparbuchkultur" in Österreich und dem Versuch, Risikodenken nicht zuzulassen. Hier müsse es neue Strategien in der Veranlagung geben.

Zu geringe Transfergeschwindigkeit

Bei der Überleitung von Forschungsergebnissen in neue Produkte und Verfahren ortet Consemüller in Österreich eine "zu geringe Transfergeschwindigkeit, es verdörrt noch zu viel im universitären Kasten". Winckler sieht im Transferprozess eine Lücke zwischen Firmengründung und Einsetzen der Marktfinanzierung. In vielen Wissenschaftsbereichen gebe es zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung kein Spannungsverhältnis mehr, das Verhältnis drehe um und werde positiv. So würden Fragestellungen aus der Anwendung die Grundlagenforschung antreiben. "Diese Breite muss in Wissenschaftsinstitutionen vorhanden sein, um erfolgreich zu sein", so Winckler.

Die vom ehemaligen Uni Wien-Professor für Mikrobiologie, Alexander von Gabain, gegründete Intercell AG habe in nur wenigen Jahren eine "erstaunliche Marktkapitalisierung" erreicht, sagte Winckler, die, so Gabain, derzeit über jener der AUA liege. Die Marktkapitalisierung der Intercell liegt bei 375 Mio. Euro, jene der AUA im Vergleich nur bei 264 Mio. Euro. Der Grund dafür sei, dass es gelungen sei, "aus guter Wissenschaft Produkte zu entwickeln". Das auf therapeutische und prophylaktische Impfstoffe spezialisierte, 1999 gegründete Unternehmen habe heute 160 Mitarbeiter in Wien, Schottland und den USA sowie weltweite Partnerschaften.

Enge Verbindung zur Universität

Gabain hob die nach wie vor engen Verbindungen zur Universität hervor, die sich etwa in mehr als 40 Diplom- und Doktorarbeiten seit 1999, über 120 wissenschaftlichen Publikationen und einem internationalen akademischen Netzwerk niederschlage. Zudem hätten bei Intercell ausgebildete Wissenschafter ihren Weg an akademische und private Forschungsinstitute gefunden oder selbst Biotech-Firmen gegründet. Zudem habe Intercell das Thema der molekularen Infektionsbiologie in Österreich positioniert.

Dass die Uni Wien an ihrem erfolgreichen Spin Off nicht beteiligt sei, habe gesetzliche Gründe, sagte Winckler, das sei 1999 noch nicht möglich gewesen. Mittlerweile arbeite man an einer Beteiligungsstrategie der Uni und habe dafür mit der "Innovation Uni Wien GmbH" eine Gesellschaft zwischengeschalten.

Für Consemüller sind die Life Sciences eine Stärke Österreichs, die weiter gestärkt werden müsse. Der Rat habe seit 2001 140 Mio. Euro in diesem Bereich empfohlen, "dieser Betrag muss maßgeblich gesteigert werden", sagte Consemüller. Warum Life Sciences so wichtig seien, begründete Consemüller in der Dauer zwischen neuen Forschungsergebnissen und deren Umsetzung in der Praxis und damit der Schaffung von Arbeitsplätzen: Dies dauere etwa in der Physik oder Technik zehn bis 15 Jahre, in den Life Sciences seien es dagegen nur fünf Jahre. (APA)

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    foto: standard/newald
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