Lindner: "Mangelnde Solidarität und öffentliche Selbstinszenierung"

26. Juli 2006, 12:22
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ORF-Generaldirektorin zur Dankesrede des Hochner-Preisträgers - Draxler: Entscheidungs­abläufe in der Hand von 14 Personen

ORF-Generaldirektorin Monika Lindner Armin Wolfs Dankesrede anlässlich der Verleihung des Robert Hochner-Preises in einer Aussendung: "Die in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe von Redakteur Armin Wolf gegen Journalistinnen und Journalisten und das Management des ORF betreffend Parteieneinfluss und mangelnde Unabhängigkeit sind entschieden zurückzuweisen, weil sie Teil der politischen Interessenlandschaft sind, in die der ORF gestellt ist. Der Vorwurf ungenügender innerer Pluralität im ORF, also mangelnder Vielfalt weltanschaulicher Positionen unter den Redakteurinnen und Redakteuren, wird schon dadurch widerlegt, dass Armin Wolf selbst als Wortführer der Unternehmenskritik auftritt. Solche Unternehmensschelte durch Mitarbeiter bedauere ich als Geschäftsführerin, weil es von mangelnder Solidarität zeugt, nicht das Gespräch im Unternehmen zu suchen, sondern die öffentliche Selbstinszenierung zu wählen."

Die von Wolf kritisierten Strukturen in der Informationsdirektion Fernsehen seien international üblich und wirtschaftlich zweckmäßig. "Für die Information gelten nach wie vor die Postulate der Unabhängigkeit, der Objektivität und der Meinungsvielfalt uneingeschränkt. Von diesem Kurs wird sich das Unternehmen unter meiner Führung durch interessenpolitische Zwischenrufe und Selbstdarstellungsbedürfnisse Einzelner nicht abbringen lassen. Das gilt gerade angesichts der bevorstehenden Nationalratswahl, die vom Versuch politischer Kräfte begleitet sein könnte, den ORF zum Wahlkampfthema zu machen. Diesen Tendenzen sollte man im Interesse des Unternehmens keine Nahrung geben. Eine sachliche Debatte in den zuständigen Gremien des ORF ist jederzeit möglich. Wenn aber ein Mitarbeiter glaubt, er müsse durch öffentliche Brandreden seinem Namen Ehre machen, so ist dieses Verhalten als unangemessen zurückzuweisen", so die ORF-Chefin.

Draxler: "Strukturänderung Gebot der Sparsamkeit"

ORF-Informationsdirektor Draxler stellt in einer Aussendung fest: "Die Entscheidungsabläufe in der Hauptabteilung Fernsehinformation liegen in der Hand von insgesamt zehn Sendungsverantwortlichen, drei Ressortchefs und einem Chefredakteur, die weitestgehend unabhängig agieren und damit eine pluralistische Programm- und Informationsgestaltung sichern. Von den sendungsverantwortlichen Redakteuren und Ressortleitern, unter anderen Johannes Fischer ('Thema'), Franz Kössler ('Weltjournal'), Robert Stoppacher ('Hohes Haus' und Parlamentssendungen), Gerhard Jelinek ('Report' und Diskussionssendungen), hat es in dieser Geschäftsführungsperiode keinerlei Kritik an einer Einschränkung ihrer journalistischen Unabhängigkeit gegeben."

Die Wiedereinführung der Fachressorts habe laut einer Fessel-GfK-Studie zu einer Steigerung der journalistischen Qualität der TV-Nachrichtensendungen geführt, so Draxler. Die kritisierte Struktur in der TV-Information "war die Konsequenz aus heftiger Kritik des ORF-Kuratoriums sowie der Hörer- und Sehervertretung des ORF am damaligen System wegen unwirtschaftlicher Parallelstrukturen und Ressourcen-Vergeudung. Neben der journalistischen Notwendigkeit war die Strukturänderung auch ein Gebot der Sparsamkeit." (red)

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    ORF-Generaldirektorin Monika Linder.

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