Van der Bellen: ORF-Führung vor "Nagelprobe"

7. Juni 2006, 14:40
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Wolf "hat Mut und Zivilcourage gezeigt", so der Grüne Bundessprecher - Scheuch (BZÖ) will Mediator sein - FPÖ fühlt sich bestätigt

"Armin Wolf hat mit dieser Rede bewiesen, dass er ein würdiger Preisträger ist. Er hat Mut und Zivilcourage gezeigt", sagte der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen. Wolf sei ein "unabhängiger, kritischer und engagierter Journalist", der im Sinne Robert Hochners versuche, "Löcher in den Käse zu bohren". Van der Bellen möchte den "ZiB 2"-Moderator deshalb keineswegs vereinnahmen und gibt sich zurückhaltend.

"Die ORF-Führung steht nun vor einer Nagelprobe", so der Grüne Bundessprecher. "Wie wird sie auf diese Preisrede reagieren? Wird sie sich einigeln, einmauern? Wird sie über negative Konsequenzen für Wolf nachdenken oder wird sie sich den thematisierten Fragen stellen?"

Kernpunkt dabei: "Wie löst der ORF das Spannungsfeld durch das de-facto-Monopol im Fernseh- und Informationsbereich, das durch Wettbewerb im Inneren kompensiert werden müsste." Auch Van der Bellen plädiert in diesem Zusammenhang - wie in der Vergangenheit - für mehr redaktionellen und inhaltlichen Pluralismus in der ORF-Information. Im Zusammenhang mit der Wahl und Neubesetzung der ORF-Führung im Sommer stelle sich darüber hinaus die Frage, "wer ist in der Lage, das beste, informativste, klügste, spannendste und unabhängigste Programm zu machen".

Nationalrats-Sondersitzung vorerst kein Thema

Ein Antrag der Grünen auf Sondersitzung des Nationalrats zum Thema ORF sei vorerst noch kein Thema. "Das lassen wir uns noch offen", sagte Van der Bellen.

Scheuch: "Schlammschlacht" beenden

Als Mediator zwischen ORF-Geschäftsführung und den ORF-Journalisten bot sich BZÖ-Mediensprecher Uwe Scheuch an. Scheuch appellierte an beide Seiten, die "mediale Schlammschlacht" zu beenden. "Mehr als alle anderen dies tun könnten, schadet der ORF sich auf diese Art selbst", so Scheuch, der vor einer Eskalation warnte.

Die aktuelle Diskussion sei bezeichnend für die Missstimmung im ORF und bestätige die BZÖ-Forderung nach einer Entpolitisierung des öffentlich-rechtlichen Senders. "Es kann jedenfalls nicht sein, dass der ORF von sich aus eine Hörer- und Seher-Vertreibung startet. Interne Streitereien sollten nicht über die Medien, sondern gütlich am Verhandlungstisch bereinigt werden", so Scheuch.

FPÖ fühlt sich durch Wolf-Kritik bestätigt

Die FPÖ fühlte sich indes durch die von Armin Wolf vorgetragene Kritik an ORF-Strukturen sowie politischer Einflussnahme bestätigt. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sprach in einer Aussendung von einem "System der politischen Einflussnahme" und einem "Machtmonopol der ÖVP". Wolfs Plädoyer für mehr Pluralismus im ORF sei zu unterstützen. (APA)

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