"Empfangschef" als Frustventil auf Bahnhöfen

18. Juni 2006, 19:34
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ÖBB bieten neuen Kundenservice auf größeren Bahnhöfen an: Helfer mit roten Krawatten

Wien – Lange Schlangen vor den Kartenschaltern, defekte Automaten, verspätete Züge: Abschaffen können die neuen "Empfangschefs" der ÖBB diese Widrigkeiten des Bahnfahrens nicht. Aber Erleichterung sollen die in den Hallen der großen Bahnhöfe patrouillierenden Kundenbetreuer verschaffen – oder zumindest als Ventil fungieren, über das die Reisenden ihren Frust ablassen können. Seit Mai sind sie im Einsatz, am Donnerstag wurde ihre Arbeit bei einem Pressetermin am Wiener Westbahnhof den Medien präsentiert. In Wien findet man die Helfer mit der roten Krawatte noch am Südbahnhof, auch in Linz, Salzburg und Innsbruck versehen sie von 8.30 bis 19 Uhr Dienst.

50 Kontakte pro Stunde

Am Westbahnhof hat Viktor Eggler die Aufgabe gemeinsam mit zwei Kollegen übernommen. Der 43-Jährige ist seit 1978 Eisenbahner und ein alter Hase in der Kundenbetreuung. In seiner neuen Funktion spricht er die Menschen in der Halle an, bietet Unterstützung oder dirigiert sie zu Schaltern mit geringerem Kundenandrang. „Die Leute sind darüber erfreut“, beschreibt er die Reaktionen. „Zuerst sind sie auch überrascht, dass sie angesprochen werden.“ Auf bis zu 50 Kundenkontakte pro Stunde kommt er bisher.

„Wir haben eine Qualitätsoffensive im Personenverkehr gestartet, die mehr als notwendig war“, gibt sich Wilhelmine Goldmann, Vorstandsdirektorin der ÖBB-Personenverkehr AG, bei der Präsentation selbstkritisch. Nun investiere man bis 2008 rund 1,2 Mrd. Euro in neue Fahrzeuge, wovon zwei Drittel in den Nahverkehr fließen. Auch neue Systeme zur Fahrgastinformation und ein verstärkter Einsatz für die – auch subjektive – Fahrgastsicherheit sollen kommen. Zusätzliches Security- Personal in Zügen und auf Bahnhöfen hat sich laut Goldmann bewährt: „Das Problem der Jugendbanden, die andere Jugendliche bedroht haben, ist völlig weg.“ (APA, moe, DER STANDARD Printausgabe, 19.05.2006)

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    Empfangschef Viktor Eggler hilft zwei Fahrgästen

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