Kulturmarketing: Hilfe oder Störfaktor?

19. Mai 2006, 18:00
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Der Ursprung des Kulturmanagement ist nicht das Management, sondern die Kunst. Beim 6. Kultur-Business-Kongress in Salzburg diskutierten Fachleute über die Zukunft von Kulturfestspielen.

Salzburg – Die Kunst nicht mit Kommerz verwechseln, das war den Teilnehmern des diesjährigen Kultur-Business-Kongresses ein Anliegen. Experten aus der Kulturszene, wie der Geschäftsführer der Seefestspiele in Mörbisch oder der Veranstalter der Osterfestspiele in Bayreuth informierten nicht nur über Marketingmaßnahmen für Kulturveranstaltungen, sondern auch über die Stellung der Kunst in der heutigen "Eventgesellschaft". Auch in Salzburg mit seinen unzähligen Kulturveranstaltungen muss man sich Gedanken über Sponsoringkonzepte und Zuschauerbindung machen. Festspiele oder Festivals schießen in ganz Europa aus dem Boden und konkurrieren um Theater-, Opern- und Tanzfans.

Geschäftemachen mit der Kunst

Kunst und Kultur liegen im Trend. Die Marketingmaschinerie setzt einen Kreislauf in Gang, der für die Veranstalter immer größere Besucherzahlen und immer umfassendere Programme bedeutet, jedoch bleibt oft die Kunst auf der Strecke und muss dem "Geschäft mit der Kunst" weichen. Um Gelder zu lukrieren müssen Veranstalter Kompromisse eingehen und den künstlerischen Anspruch hinter ökonomische Interessen stellen. Sponsoring solle kein Ausverkauf der Kultur sein, warnten die Experten, oft würden sich Politik und Wirtschaft allzu stark in die Programmplanung einmischen. Wenn die Frau des Bankdirektors anregt: "Aber nächstes Jahr spielens bitte nicht wieder Mahler", dürfte dies ein eher harmloses Beispiel sein.

Weniger ist mehr – auch in Salzburg?

Der potentielle Zuschauer sollte nicht durch eine nahezu unüberschaubare Fülle an Veranstaltungen erdrückt werden. Qualität vor Quantität gilt auch im Kulturbetrieb. Die zahlreichen Festspielangebote in den Sommermonaten, zu Ostern und Pfingsten und das damit einhergehende aggressive Werben um Besucher führen oft nur zu Ablehnung und Verweigerung. In Salzburg gibt es neben den Sommerfestspielen auch noch zu Ostern ein Festival und Pfingsten bringt man Wege für Mozart. Im Mozartjahr 2006 finden in Salzburg noch weitere Veranstaltungsreihen, Ausstellungen und Festivals statt. Die Herausforderung liegt nun darin, die Brücke zu schlagen zwischen der Veranstaltung einmaliger Events im Jubiläumsjahr und dem Anspruch ein breitgestreutes und vielfältiges Kulturprogramm anzubieten, das unterschiedliche Besucher anspricht und an die Marke Salzburg bindet. (hul)

Informationen über die Salzburger Festspiele.
  • FestspielhausDas Salzburger Festspielhaus wird in das Haus für Mozart umgebaut.
    red

    Festspielhaus

    Das Salzburger Festspielhaus wird in das Haus für Mozart umgebaut.

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