Mittal bietet rund 20 Milliarden für Arcelor

7. Juni 2006, 10:31
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Nach wie vor drei Viertel des Kaufpreises in Aktien - Frist bis 29. Juni

Rotterdam/Luxemburg - Der weltgrößte Stahlkonzern Mittal Steel hat am Donnerstag sein Angebot zur feindlichen Übernahme des luxemburgischen Konkurrenten Arcelor vorgelegt. Mittal bietet für den Branchenzweiten rund 20 Mrd. Euro, davon maximal 4,85 Mrd. Euro in bar. Drei Viertel des Kaufpreises will der indische Unternehmer Lakshmi Mittal in Aktien seines Konzerns bezahlen. Die Arcelor-Aktionäre haben bis zum 29. Juni Zeit, über das Offert zu entscheiden.

"Wir glauben weiterhin, dass dies ein sehr attraktives Angebot ist", sagte Mittal zum Offert, die zuvor von den Börsenaufsichten in Luxemburg, Frankreich und Belgien nach dreimonatiger Prüfung genehmigt worden war. Durch den Zusammenschluss entstehe ein Konzern, der mit über 100 Mio. Tonnen fast drei Mal so viel Stahl produziert wie der dann Zweitgrößte, Nippon Steel. Die Synergieeffekte bezifferte Mittal auf eine Milliarde Dollar (776 Mio. Euro) jährlich in den ersten drei Jahren der Fusion. Zusätzlich könnten 600 Mio. Dollar jährlich durch größere Marktmacht beim Einkauf eingespart werden.

Keine Reaktion

Von Arcelor gab es zunächst keine Reaktion. Der Verwaltungsrat werde nach eingehender Prüfung Stellung nehmen, hieß es in Luxemburg. Arcelor-Chef Guy Dolle, der den Übernahmeversuch energisch ablehnt, wird in einer Gegenerklärung, die Teil des Übernahmeverfahrens ist, die Aktionäre davon zu überzeugen versuchen, dass das Mittal-Angebot zu niedrig sei. Auch die luxemburgische Regierung als größter Einzelaktionär (5,6 Prozent) wollte das Angebot nicht kommentieren.

In dem 356 Seiten starken Papier bekräftigt Mittal, dass der Baranteil des Angebots noch geringer sein wird, wenn Teile der Abwehrstrategie von Arcelor verwirklicht werden. Sollte die von Mittal als überhöht betrachtete Dividende von 1,85 Euro tatsächlich Ende Mai ausgezahlt werden, so werde ein Teil davon vom Baranteil abgezogen. Das gelte auch für den Fall, dass Arcelor ein geplantes Aktienrückkaufprogramm in Höhe von maximal 5 Mrd. Euro rechtskräftig beschließe und umsetze. Finanzchef Aditya Mittal hatte bereits erklärt, die Bar-Zahlung an die Arcelor-Aktionäre könne dann sogar auf Null gedrückt werden.

Vermutlich keine Entscheidung

Für Freitag ist eine außerordentliche Arcelor-Hauptversammlung in Luxemburg angesetzt, in der über das Rückkaufprogramm entschieden werden soll. Wegen des hohen Quorums von 50 Prozent des Kapitals wird aber vermutlich noch keine Entscheidung getroffen werden können.

Lakshmi Mittal ließ in dem Offert mitteilen, er werde für den Fall einer erfolgreichen Fusion weiterhin alle wesentlichen Entscheidungen selbst treffen können. Zwar würden seine Stimmrechte verringert, doch werde er auch dann noch in allen entscheidenden Fragen das letzte Wort haben. Mittal Steel schließt bei einer Aufzählung von Risiken auch nicht aus, dass die Aufnahme von Krediten in Höhe von insgesamt 8 Mrd. Euro zur Finanzierung der Übernahme dazu führen könnte, dass internationale Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit herabstuften.

Mittal erklärte, er sehe wegen des guten Zustandes, in dem sich Arcelor befindet, und wegen geringer Überschneidungen von Märkten keinen Grund für zusätzliche Restrukturierungen bei dem Luxemburger Unternehmen. Die internationale Stahlbranche müsse sich dringend konsolidieren. Die fünf größten Produzenten kontrollierten nur 19 Prozent des Weltmarktes. Auf Mittal entfielen 5,6 und auf Arcelor 4,4 Prozent. (APA/dpa)

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