Parkbänke: Immer kleiner und unbequemer

12. Juni 2006, 16:21
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Die Parkbank soll überleben, soviel ist klar - Studenten zeigen 14 Beispiele mit sozialem Hintergrund im Wiener Stadtpark

Wien - Manche Bänke "muss man so sehen wie einen Balkon, von wo aus man weit sieht und sich selbst präsentiert," sagt James Skone, Professor an der Universität für angewandte Kunst.

Mit seinen Kunstpädagogik-Studenten, Landschaftsarchitekten und Sozialwissenschaftern präsentiert er am Donnerstag, 14 Parkbänke im Wiener Stadtpark beim Zelinka Denkmal und gibt dem ganzen den Namen "Parkbank Survival".

Die Parkbank soll überleben, soviel ist klar. Und angesichts der Tatsache, dass, wie die Studenten meinen, die Parkbänke unsozialer werden, wollen sie diese beleben. Gleichzeitig widmen sie sich der Frage, wer die Benützerinnen und Benützer sind und wodurch sich ihre individuellen Bedürfnisse auszeichnen.

Generation Senior

Eine Benützergruppe kann man jetzt schon getrost ausschließen: die Pensionisten. "Es ist ein Vorurteil, dass die armen, kranken Pensionisten auf der Parkbank sitzen und Tauben füttern," sagt Alfred Papelicki, Redaktionsassistent von "Unsere Generation", der Zeitschrift des österreichischen Pensionistenverbandes. Die Freizeit bei der jetzigen Generation von Senioren sei mit Kursen, Enkeln und Reisen ausgefüllt und bis ins letzte Detail geplant. Dieses Bild, das noch immer über Pensionisten vorherrsche, sei ein Klischee, wie, "dass Blondinen dumm sind" eines sei, sagt er auf die augenzwinkernde STANDARD-Anfrage.

Immer kleiner und unbequemer

Die Bänke, halten die Studenten fest, werden immer kleiner und unbequemer. Somit wird der Schauplatz Parkbank zur Gesellschaftsstudie. Denn wenn die Bänke kürzer und somit nur auf das Sitzen beschränkt werden und das Liegen unmöglich machen, dann könnte das als Zeichen für "Ausgrenzung von Obdachlosen gesehen werden, die man vom Hinlegen und Schlafen abhält", sagt Skone. Das symbolisiert etwa die Bank, neben der das Schild einer Fluglandebahn aufgestellt ist. "Nicht hinsetzen!" werde damit gesagt, meint er.

Design verbessern

Die Idee, die Bänke mit Kunst und Design zu verbessern, sieht man bei der Parkbank mit "bobo-board", wo man sich verkehrt, also mit den Füssen durch die Rückenlehne durchgesteckt, hinsetzt. Auf die Rückenlehne montiert man ein Brett und auf den Sitz ein Lehne. Und so kann man bequem essen, trinken, eine andere Verwendung dafür finden und die Bank "nutzbarer machen", sagt Skone. (mil, DER STANDARD Printausgabe 18.5.2006)

Parkbank Survival. Stadtpark, 18. April. 17:00 Uhr

  • Die neuen Parkbänke auf der Mariahilferstraße geben Anlass zur Sozialkritik. Sie sind kürzer und unbequemer ...
    foto: matthias cremer

    Die neuen Parkbänke auf der Mariahilferstraße geben Anlass zur Sozialkritik. Sie sind kürzer und unbequemer ...

  • ... weswegen sich Studenten beim "Parkbank Survival" die alten zurückwünschen
    foto: standard/ matthias cremer

    ... weswegen sich Studenten beim "Parkbank Survival" die alten zurückwünschen

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