99 Cent um mehr als zwei Millionen

25. Mai 2006, 18:11
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Kunstmarkt, Impressionismus bis Gegenwart: New York ist und bleibt das heißeste internationale Pflaster

Die richtige Strategie in der Platzierung von Top-Kunst scheint wichtiger denn je. New York ist und bleibt dabei das heißeste internationale Pflaster: egal ob in der Kategorie "Impressionist & Modern Art" oder "Contemporary & Post War".


New York - In keiner anderen Auktionsmetropole werden innerhalb kürzester Zeit so viele Rekordzuschläge eingespielt, prasseln die Millionen-Zuschläge in solcher Abfolge auf den Markt. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres stieg der Preisindex in New York um satte 20 Prozent, anders ausgedrückt zahlen Käufer in Auktionssälen damit um 42 Prozent mehr als 1990.

Bis zu den Mai-Sales der Kategorie Impressionist & Modern Art oder Contemporary & Post War war der Hammer am Big Apple bereits 117 Mal jenseits der Ein-Million-Dollar-Marke gefallen - im Vergleichszeitraum 2005 schaffte man das für nur 66 Kunstwerke. So weit die Analysen der amerikanischen Kunstpreisdatenbank Artprice, die von gigantischen Umsätzen in den ersten Maitagen untermauert werden.

Den Anfang machte die Sparte Impressionist & Modern Art, in der Christie's am Abend des 2. Mai 86 Prozent des Angebote verteilte: Darunter Van Gogh's Bildnis von Madame Ginoux, das für umgerechnet 32 Millionen Euro in anonymen Besitz wechselte. Den zweithöchsten Zuschlag erteilte man für das Picasso-Porträt Le Repos (1932), das die russische Ballerina und Ehefrau des Künstlers Olga Khokhlova zeigt, an die Larry Gagosian Gallery, die ein Budget von 34, 73 Millionen Dollar zur Verfügung stellte.

Am Ende des Abends klingelten die Kassen bei 180, 28 Millionen Dollar, das weltweit höchste Ergebnis seit 1990 das zugleich den zweithöchsten Umsatz seit Bestehen der Sparte im eigenen Haus übertrumpfte. Vorerst. 24 Stunden später hatte diese Marke nur mehr teilweise Gültigkeit und Sotheby's hatte mit seinem Evening-Sale und deponierten 207,6 Millionen Dollar einen neuen Umsatz-Höchstwert gesetzt.

Picasso Superstar

Natürlich ist dieser Pablo Picasso zu verdanken, dessen Dora Maar au Chat für 95,21 Millionen Dollar und damit den zweithöchsten Preis weltweit den Besitzer wechselte. Dazu gesellte sich ein Rekordzuschlag für Henri Matisse, dessen Nu couché vu de dos bei 18,5 Millionen Dollar eine anonyme Heimstatt fand.

Diese gigantischen Einzelergebnisse spiegeln sich auch im eindrucksvollen Umsatzrekord bei Sotheby's, wo man zuzüglich der Tagesauktion insgesamt 248,29 Millionen Dollar eingespielte. Marktfrische spielte auf der amerikanischen Rekordmeile nur teilweise eine Rolle: 170.000 Dollar berappte der Einbringer 1993 bei Sotheby's für Alberto Giacomettis Coin d'atelier avec poële et balai - bei Christie's fiel der Hammer nun bei 1,3 Millionen!

Für 4,6 Millionen reichte Sotheby's Picassos Sylvette weiter, für das im Juni 1995 im eigenen Haus 760.000 Dollar bezahlt worden waren. Und Chaim Soutines La Femme en Rouge Appuyée à un Fauteuil überstieg mit 2,8 Millionen Dollar die interne Marke von 370.000 Dollar aus dem Jahr 1989 deutlich. Der Auftakt der Sparte Contemporary oblag Christie's, die ihr Angebot am 9. Mai in Begleitung von Post War ins Rennen schickten. In fünf Sitzungen wechselte Kunst im Wert von 224,78 Millionen Dollar den Besitzer und schlug damit alle bisherigen Umsatzrekorde.

Den Titel höchster Zuschlag der Woche notierte Christie's für Andy Warhols Small Torn Campbell's Soup Can (Pepper Pot), 1962, die für 11,77 Millionen Dollar in die Gagosian Gallery wechselte. Wie stark der Markt dieser Sparte ist, zeigt ein Blick auf das so genannte Record-Sheet. Die hier gelisteten zwölf Zuschläge sind schon deshalb beeindruckend, weil fünf von ihnen frische Auktionsrekorde aus 2005 überholten: Etwa Richard Prince Untitled (Good News, Bad News, 1989), das mit 1,36 Millionen Dollar ebenso die bisherige Künstlerrekordmarke (1,02 Mio. $, A nurse involved, 2000; Phillips de Pury, 12. Mai 05) überstieg wie Mike Kelleys Ahh ... Youth (1991) mit 688.000 Dollar (452,800 $, Memory ware flat no.2, 2000, Phillips de Pury, 10. November 05). Anderntags setzte Sotheby's mit einem beeindruckenden Evening Sale (128,75 Mio. $) nach. Der erklärte Star des Abends wurde - ex aequo mit Roy Lichtenstein - Willem de Kooning, für dessen Untitled XVI von 1975 dank fünf Interessenten der Hammer deutlich über dem erwarteten Mindestsalär von 6,5 Millionen, nämlich bei 15,69 Millionen Dollar zugunsten L & M Arts fiel. Denselben Betrag investierte die New Yorker Galerie für Lichtensteins Sinking Sun von 1964, ehemals im Besitz von Dennis Hopper. Abseits der zehn höchsten Zuschläge durfte sich Sotheby's an 35 Zuschlägen jenseits der Ein-Million-Dollar-Grenze, ein Wochen-Total von mehr als 185 Millionen Dollar und eine Vielzahl an Künstlerrekorden erfreuen - so überstieg Andreas Gurskys Foto-Großformat 99 Cent mit 2,25 Millionen Dollar alle Erwartungen - Rekord für den Künstler und darüber hinaus für eine versteigerte zeitgenössische Fotografie. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.5.2006)

Von
Olga Kronsteiner
  • 18,49 Millionen Dollar bezahlte ein anonymer Bieter bei Sotheby's für "Nu couché vu de dos" von Henri Matisse.
    foto: sotheby's

    18,49 Millionen Dollar bezahlte ein anonymer Bieter bei Sotheby's für "Nu couché vu de dos" von Henri Matisse.

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