Zwei Kebab ohne Zwiebel

17. Mai 2006, 20:28
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Die jüngst von Innenministerin Liese Prokop veröffentlichte Integrationsstudie, wonach sich fast jeder zweite Ausländer nicht in das Österreichische System integrieren will, entfachte eine heiße Diskussion. So auch in Salzburg.

Grund genug für mich, bei einem von unzähligen Kebab-Ständen in der Salzburger Stadt vorbeizuschauen.

Familiäre Begrüßung? - In Österreich undenkbar

Bei Betreten des Lokals ’Euro-Yousef’ am Hauptbahnhof wurde ich gleich herzhaft begrüßt: „Servas Meista! Alles Easy?“ Eine brüderliche Begrüßung, die es in einem österreichischen Lokal wohl nicht gibt. Auf meine Frage, ob er, Erol D., auf ein kurzes Gespräch Zeit hätte gab es gleich einmal eine Einladung auf einen Kebab – die Ausrede, ich sei Vegetarier galt nicht.

Vor genau zehn Jahren kamen Erol und sein Bruder Kadir nach Österreich. In der Türkei waren sie arbeitslos. Doch in der Mozartstadt wollten Sie sich eine neue, bessere Existenz aufbauen, und eröffneten ihren Kebab-Schnellimbiss. Bereits von Anfang an lief das Geschäft recht gut. Schließlich gab es damals noch nicht so viele Kebab-Imbisse wie heute. Startschwierigkeiten hatten sie keine. Auch Probleme mit Österreichern oder unserer Bürokratie sind ihnen fremd.

Keine Schwierigkeiten, sich zu integrieren

Als ich das Thema Integrationsstudie anspreche, lacht Erol laut auf. „Meista, schau i aus, als ob i Schwierigkeiten mit Östarreicha hab?“ Erol fiel es nie schwer, mit Menschen in Kontakt zu treten, schon in der Türkei nicht. Deshalb kann er auch nicht verstehen, warum sich so viele türkische Landsmänner bis zum Hals zuknöpfen und sich von der österreichischen Gesellschaft und deren Kultur abwenden.

Eine Parallele können Erol und Kadir zwischen Österreich und der Türkei aber feststellen: „Wenn jemand Arbeit, dann alles easy. Aber wenn du nix arbeitest, hast Probleme mit Leute, mit Staat und so.“ Sie können verstehen, dass die Österreicher sauer sind, wenn Ausländer nichts arbeiten und auf Kosten der Steuerzahler hier leben. „Wär a net anders, wenn du nach Türkei kommen würdest und nix arbeitest.“

Neue Freunde wurden gefunden

Eine vergnügliche Konversation mit den beiden wird immer wieder durch neue, größtenteils bekannte Kundschaft unterbrochen. „Erol, vier Kebap extra scharf.“ „Dicker Mann, zwei Kebab ohne Zwiebel.“ – „Ois klar, Meista. Geht’s gut? Mit Frau a alles easy?“ Solche familiäre Gespräche gab es zur Genüge. Auch mir fiel es schwer, nach einer Dreiviertelstunde wieder zur Uni zu fahren, mit den beiden hätte ich noch stundenlang herumscherzen können.

Die Brisanz und groß angelegte Diskussion zur Integrationsstudie wird sich aufgrund meines Artikels wahrscheinlich nicht ändern, aber hoffentlich die Einstellung so mancher Österreicherinnen und Österreicher zu Ausländern. Die Frage „Wie würde es mir ergehen, wenn ich in die Türkei auswandere?“ sollte einem dabei immer im Hinterkopf bleiben.

Ein herzhaftes Gespräch geht zu Ende und die Verabschiedung fällt sehr freundschaftlich mit einer Umarmung aus. „Meista, kommst wieder mal vorbei?“ Meine Antwort: „Gerne, aber nur, wenn ich keinen Kebab mehr essen muss!“ (pm.)

  • Kebab verbindet Nationen...Kebab verbindet Nationen...
    marksteiner

    Kebab verbindet Nationen...

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