Absaugschutz für Bankenpaket

1. Juni 2006, 08:00
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Die Bawag soll 450 Millionen erhalten, die sie nicht anrühren darf

Wien – Wie führt man einer Bank Kapital zu, ohne dass es etwas kostet? Diese knifflige Frage steht im Zentrum der Gespräche über das Bankenpaket, das die Bilanz der Bawag P.S.K. um 450 Mio. Euro stärken soll – allerdings auf eine Weise, "bei der die Bawag das Geld nicht absaugen kann", sagt ein Wiener Bankeninsider. Denn die Mittel der Konkurrenz sind nur für die Bücher und nicht für das operative Geschäft gedacht.

Wie berichtet wird das Geld in einer Sonderfinanzierungsgesellschaft geparkt, an der die Bawag mit 20 Prozent beteiligt sein wird, aber über die sie per Beherrschungsvertrag die formelle Kontrolle erhält. Die Aufsichtsratsmitglieder dieser Gesellschaft sollen, wie aus Finanzkreisen verlautet, von der Bawag bestellt werden. Doch sollte die Bawag je versuchen, auf das Kapital der Gesellschaft zuzugreifen, dann hätten die übrigen Gesellschafter das Recht, sich durch die Ernennung weiterer Aufsichtsratsmitglieder die Mehrheit im Gremium zu sichern. Dadurch hätte die Bawag de facto keine Kontrolle über das Gesellschaftskapital.

Ob die Bawag die Gesellschaft dennoch konsolidieren darf, muss die Finanzmarktaufsicht (FMA) prüfen. Dort aber scheint man gewillt zu sein, eine derartige kreative Lösung zu akzeptieren. Das Modell muss ohnehin nur bis zum Verkauf der Bawag halten. Deshalb ist es bis Juli 2007, wenn auch die Bundeshaftung ausläuft, befristet. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.5.2006)

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