E.On Ruhrgas profitiert vom Winter

1. Juni 2006, 16:24
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Die frostigen Temperaturen zum Jahresbeginn haben dem größten deutschen Gashändler dank kräftiger Nachfrage einen historischen Absatzrekord beschert

Essen - Mit 266 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Erdgas lag der Absatz von E.On Ruhrgas in den ersten drei Monaten des Jahres um 18 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) konnte das Unternehmen mit einem Zuwachs um 57 Prozent auf 733 Mio. Euro kräftig zulegen.

Am 27. Jänner dieses Jahres habe der Absatz mit rund 3,3 Milliarden kWh einen historischen Rekordstand erreicht, sagte E.ON Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Essen. Im vergangenen Jahr war der E.ON-Ruhrgas-Absatz um acht Prozent auf die Rekordhöhe von 690 Milliarden kWh gestiegen. Der Umsatz erhöhte sich vor allem durch die kräftig gestiegenen Gaspreise um 35 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro.

Upstream-Geschäft mit Verbesserungen

2005 hatte das Unternehmen sein Vorsteuer-Ergebnis bereits um 14 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro erhöhen können. Der Ruhrgas-Chef wies jedoch Vorwürfe zurück, das Unternehmen profitiere von den kräftig gestiegenen Gaspreisen. Deutliche Verbesserungen habe das Unternehmen dagegen im so genannten Upstream-Geschäft mit der Erkundung und Förderung von Erdgas erzielen können. Die Einkaufspreise für das von Ruhrgas vertriebene Erdgas seien erheblich schneller gestiegen als die erzielten Verkaufspreise.

"Von den höheren Preisen profitieren die internationalen Produzenten", sagte Bergmann. Das Essener Unternehmen müsse sich derzeit sogar dagegen wehren, dass die Importeure das Gas nicht noch über die vertraglich festgelegten Preise hinaus erhöhten.

"Ölpreisbindung"

Zum 1. Oktober dieses Jahres werde E.ON Ruhrgas die bisher in den Verträgen vorgesehene Zeitverzögerung von drei Monaten für die Anpassung der Gaspreise an den Ölpreis auf einen Monat verkürzen, hieß es. Gerade in den vergangenen Monaten habe sich die so genannte "Ölpreisbindung" in Deutschland bewährt, verteidigte Bergmann die Formel für die Preisanpassungen.

In den laufenden Verhandlungen mit dem russischen Gaskonzern Gazprom gehe es derzeit nicht um einen Einstieg des russischen Unternehmens bei einer deutschen E.ON Ruhrgas-Tochter. "Es geht nicht um Beteiligungen in Deutschland", sagte Bergmann.

Beteiligungen

Nachdem sich im Frühjahr bereits die BASF-Tochter Wintershall an dem sibirischen Ostseepipeline-Gasfeld Juschno-Russkoje beteiligt hatte, verhandelt auch das Essener Unternehmen derzeit über ein solches Engagement. In den Gesprächen mit Gazprom gehe es im Gegenzug dafür um mögliche "signifikante Minderheitsbeteiligungen" an E.ON Ruhrgas-Tochtergesellschaften,sagte Bergmann.

In Medienberichten war zuvor davon die Rede gewesen, dass die Verhandlungen auf Ungarn abzielen. Bei einem solchen Engagement müsse jedoch auch für E.ON Ruhrgas die Wirtschaftlichkeit sichergestellt sein", betonte Bergmann.

Angesichts eines steigenden Energieverbrauchs in Europa müssten neue Gasfelder in entlegenen Regionen erschlossen werden. "Wir wollen die Zusammenarbeit mit Gazprom weiter ausbauen", kündigte Bergmann an. Eine Veränderung bei der Höhe der Beteiligung des Essener Unternehmens an Gazprom von derzeit 6,4 Prozent sei jedoch nicht geplant. Mit einem Anteil von 28 Prozent zählt Russland neben Norwegen derzeit bereits zu den wichtigsten Gaslieferanten von E.ON Ruhrgas. (APA/dpa)

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