Sparbuch, Zinsen und Champagner

12. Juni 2006, 11:20
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Banken versüßen eine Sparbuch-Eröffnung nicht mehr nur mit Zinsen

Die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) – die nächste könnte schon im Juni folgen – und die Refco-Affäre der Bawag P.S.K. bringen auch gute Nachrichten: Die Sparbuchzinsen steigen – einerseits durch die höheren Leitzinsen der EZB, aber auch, weil die in der vergangenen Woche gerettete Bawag P.S.K. wieder verstärkt Sparer anlocken will.

Und schließlich gibt es auch Direktbanken, die den Markt wie Hechte im Karpfenteich aufmischen. So ist es kein Wunder, dass man aktuell bei der ING DiBa für täglich fälliges Geld satte 2,75 Prozent Zinsen kassieren kann – in Deutschland zahlt das gleiche Unternehmen übrigens nur 2,5 Prozent – so viel gab es bisher nur für eine mehrjährige Bindung.

Diese sollte man jetzt eher nicht ins Auge fassen, denn zahlen die Banken nach der nächsten Zinserhöhung wieder mehr Geld für Einlagen, bleibt man auf den niedrigen Zinsen sitzen. Nach der ING DiBA folgen, wenn es um die Höhe der täglich fälligen Zinsen geht, mehrere Banken: Die Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank, die Vorarlberger Volksbank, die Volksbank Graz-Bruck und die Österreichische Verkehrskreditbank – diese Banken bieten 2,25 Prozent, die ersten drei Institute allerdings von der Höhe der Einlage abhängig. Das gilt auch für die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), die bei "hohen" Einlagen bis zu 2,5 Prozent Zinsen zahlt.

Prämie von 50 Euro

Ein Zuckerl gibt es bei der easybank, der Internet-Tochter der Bawag: Bei Ersteröffnung eines Direktsparkontos mit einer Ersteinlage in der Höhe von 5000 Euro wird eine Prämie von 50 Euro gutschrieben. Diese Aktion läuft noch bis 30. Juni. Eine Fortsetzung, so meinen Brancheninsider, sei nicht ausgeschlossen.

Mit ähnlichen Prämien lockt übrigens auch immer wieder die ING DiBa. Im Vorjahr konnte man sich ab einer Einlage von 5000 Euro ein "Vignettengeld" gutschreiben lassen. Und wer andere für eine Kontoeröffnung wirbt, bekommt 30 Euro Tankgutscheine (oder eine Flasche Champagner), sobald innerhalb von zwei Monaten 200 Euro einbezahlt wurden.

Alle anderen Institute lassen dann schon deutlich nach und machen für tägliche Gelder magere 0,125 Prozent locker. Die Dornbirner Sparkasse zahlt noch bis 1,875 Prozent, allerdings nur bei einer dreimonatigen Bindung. Ohne Bindung gibt es bei der Vakif Bank, einem Ableger der drittgrößten staatlichen Bank der Türkei, 1,25 Prozent.

Den Spitzenreiter bei täglich fälligen Einlagen, die ING DiBa, schlagen so gut wie alle anderen Institute nicht einmal, wenn man sein Geld für ein ganzes Jahr bindet: Es gibt dafür höchstens 2,625 Prozent bei der Tiroler Sparkasse. Allerdings mit einer einzigen Ausnahme: Die Vakif Bank macht sich bei der einjährigen Bindung mit drei Prozent zum Liebling der Sparer.

Etwas mehr bei längerer Bindung

Wer sein Geld länger binden möchte, bekommt auch ein wenig mehr; dabei macht es kaum einen Unterschied, ob man sein Geld für drei oder für fünf Jahre anlegt: Bei der Dreijahresbindung holt sich die Vakif Bank mit 3,375 Prozent am Fixzinssparbuch die goldene Zinsmedaille, alle anderen Institute zahlen zwischen 2,75 und drei Prozent. Für die fünfjährige Bindung gibt es maximal 3,875 Prozent, wieder bei der Vakif Bank: Dreieinhalb Prozent gibt die easybank. Die anderen Banken zahlen zwischen 3,125 und 3,25 Prozent. Schlusslichter sind hier die ING DiBa mit bloß drei Prozent ex aequo mit der Hypo Niederösterreich. (Reinhard Kremer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.5.2006)

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