Die Tücken hoher Dividenden

12. Juni 2006, 11:20
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Nicht jeder sieht Ausschüttung positiv

Die Höhe der Ausschüttung von Dividenden ist ein Indikator für die finanzielle Stärke eines Unternehmens und für die Haltung des Vorstands gegenüber den Aktionären, meint Cesar Peréz, Leiter von European Equities bei M&G und Manager des M&G European Fund. Gleichzeitig ist sie auch Maßstab für die Investitionsmöglichkeiten ein Unternehmens.

In Europa sind die Dividenden in den vergangenen Jahren gestiegen. Dies ist größtenteils auf eine höhere Rentabilität zurückzuführen: Europäische Unternehmen haben ihre Bilanzen seit dem "schwarzen Jahr" 2000 bereinigt und ihre Verschuldung ist im Moment auf dem niedrigsten Stand seit Jahren. Dadurch verfügen sie über höhere Barmittel, was sich auf die Dividendenausschüttungen und andere Arten von Barauszahlungen auswirkt, beispielsweise auf Aktienrückkäufe.

Gleichzeitig wächst die Bereitschaft der Unternehmen, ihre Interessen mit denen der Aktionäre in Einklang zu bringen und die Anteilseigner für ihre Unterstützung zu belohnen. Insbesondere Großbritannien pflegt schon seit Langem eine "Dividendenkultur", die sich zunehmend auch in Kontinentaleuropa durchsetzt. Viele Unternehmen haben laut Peréz erkannt, dass es nicht mit steigenden Aktienkursen belohnt wird, wenn überschüssiges Kapital einbehalten wird. Denn: höhere Ausschüttungsquoten und Dividendenrenditen wirken sich eindeutig positiv auf die Kursentwicklung europäischer Aktien aus.

Investieren versus Ausschütten

"Als Investoren bevorzugen wir regelmäßige Dividendenzahlungen gegenüber anderen Arten von Kapitalausschüttungen, da sie Unternehmen ein gewisses Maß an finanzieller Disziplin abverlangen und – eher als Aktienrückkäufe – eine gleichberechtigte und nachvollziehbare Behandlung der Aktionäre gewährleisten", erklärt Peréz. Dividendenwachstum sei ein deutliches Indiz dafür, dass ein Unternehmen finanziell stabil ist und seine Wachstumspläne erfüllt. Dennoch ist Peréz der Ansicht, dass Unternehmen ihr Kapital auf die effizienteste Weise einsetzen sollten, um Gewinn und Rentabilität zu steigern.

Für die Entscheidung über eine Dividendenausschüttung gelten dieselben Kriterien wie für jede andere Entscheidung des Managements über die Verwendung des Cashflows. "Als Fondsmanager halten wir es deshalb für besser, wenn Unternehmen in unserem Portfolio in die erfolgreiche Entwicklung ihrer Geschäftsbereiche reinvestieren oder ihre Barmittel für Projekte mit guten Gewinnaussichten verwenden, statt ihr Wachstum durch eine zu großzügige Dividende einzuschränken.

Eine hohe Dividendenrendite ist also nicht immer ein gutes Zeichen – sie kann auch bedeuten, dass es einem Unternehmen an Investitionsmöglichkeiten fehlt. Das steigende Dividendenwachstum ist allgemein ein gutes Signal für europäische Aktien, aber ein vernünftiges Maß ist dabei wünschenswert. Unternehmen sollten nach Möglichkeit in ihr Wachstum investieren, meint Peréz. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.5.2006)

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