"Yen bleibt lukrativ"

12. Juni 2006, 11:20
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Währung trotz Zinserhöhung der japanischen Notenbank günstig

Es war sicherlich eine historische Entscheidung, die die Bank of Japan (BoJ) am 9. März getroffen hat: Nach rund sieben Jahren einer extrem locke 2. Spalte ren Geldpolitik hat die japanische Notenbank beschlossen, ihre Politik der so genannten "quantitativen Lockerung", die das Bankensystem mit Liquidität überflutet hat, zu beenden.

Die Änderung der Geldpolitik der Bank of Japan könnte auch Fremdwährungskreditnehmer vor neue Entscheidungen stellen. Benjamin Tal, Chefvolkswirt der kanadischen CIBC-Bank, meint, dass der Yen sich schneller erholen wird, als der Markt dies erwartet: "Die japanische Währung steigt zum US-Dollar trotz aller Schwankungen an der Tokioter Börse und Finanzskandale in Japan." Es sei anormal gewesen, dass der Yen trotz der guten Wirtschaftsdaten fiel, und es sei absehbar gewesen, dass Japan die Phase der Deflation hinter sich lassen werde, so Tal.

Fehleinschätzung

Doch beim Yen lagen schon während der vergangenen 18 Monate einige Analysten falsch: Während nämlich schon länger ein starker Yen erwartet wurde, fiel die japanische Währung immer weiter und lag zuletzt stabil über 140 Yen pro Euro. Die Gefahr eines deutlichen und rapiden Anstiegs besteht aber noch immer, meint Gerhard Massenbauer, Wiener Fondsmanager und Fremdwährungsexperte bei der Anlageberatung Censeo: "Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Monaten eine deutliche Stärkung des Yen gegen den US- Dollar sehen werden. Die Aus 3. Spalte wirkungen auf sein Austauschverhältnis zum Euro sind noch nicht ganz klar, wir erwarten aus heutiger Sicht steigende Yen-Kurse, weil sich die Zinspolitik der japanischen Notenbank wohl in der zweiten Jahreshälfte ändern wird."

Für Kredite interessant

Rainer Singer vom Treasury der Ersten Bank rechnet frühestens zur Jahresmitte mit einem Zinsplus in Japan, denn "eine zu starke Anhebung könnte den japanischen Aufschwung gefährden", und das will die Bank of Japan mit allen Mittel verhindern. Singer meint, dass der Yen nach einer Aufwertung langsam wieder für Fremdwährungskreditnehmer interessant werden könnte: "Auch wenn die Bank of Japan die Zinsen anhebt, wird die Zinsdifferenz zum Euro lukrativ bleiben."

Aktuell bleibt nur der Schweizer Franken, um günstige Zinsen zu erzielen. Aber auch hier könnte Ungemach auf Kreditnehmer lauern: "Für Franken-Kreditnehmer besteht eine Gefahr in dem lauter werdenden Säbelrasseln der USA mit dem Iran oder einem verheerenden Terroranschlag irgendwo auf der Welt", erklärt Gerhard Massenbauer. "Dies würde unserer Einschätzung nach aber nur vorübergehende Aufwertung bringen, dafür aber die Franken-Zinsen gegenüber dem Euro verbilligen." (Reinhard Kremer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.5.2006)

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Censeo
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