Juve-Schicksal soll bis Juli geklärt sein

25. Juni 2006, 11:11
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Verbandspräsident Rossi fordert rasche Prozesse

Rom - Das Schicksal von Meister Juventus Turin im italienischen Fußball-Skandal wird bis Ende Juli geklärt sein. Innerhalb von nur zweieinhalb Monaten soll der größte Skandal in der Geschichte des italienischen Fußballs aufgeklärt und mit den Urteilen des Sportgerichts abgeschlossen sein. Dieses Ziel gab der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbandes (FIGC), Guido Rossi, an seinem ersten Arbeitstag bekannt. Rekordmeister Juve drohen wegen der mutmaßlichen Liga-Manipulationen seines ehemaligen Managers Luciano Moggi Zwangsabstieg, Aberkennung der letzten beiden Meistertitel und Ausschluss aus dem Europacup.

"Die Prozesse müssen bis zum 27. Juli abgeschlossen sein", forderte der 75-jährige Jus-Professor Rossi nach einem Bericht der "La Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. Dann werde der FIGC die eigentlich schon bis zum 5. Juni zu nennenden acht italienischen Europacup-Teilnehmer bekannt geben. Bewahrheiten sich die Vorwürfe gegen Moggi, wird Juve in der nächsten Saison wohl nicht mehr international spielen. Die ebenfalls ins Visier der Staatsanwälte geratenen Top-Clubs AC Milan, AC Fiorentina und Lazio Rom scheinen weniger gefährdet.

Die Juve-Aktionäre aber fürchten das Schlimmste. Am Mittwoch musste die Juve-Aktie wegen hoher Kurverluste in Mailand zum zweiten Mal in dieser Woche vorübergehend vom Handel ausgesetzt werden. Die Familie der Agnellis versucht als Mehrheitsaktionär den freien Fall des Clubs zu stoppen. Bis zur Vorstandssitzung am 29. Juni wird mit Carlo Sant'Albano ein Vertrauter der Familie Agnelli die Geschäftsführung übernehmen. Der gesamte Juve-Vorstand war vergangene Woche zurückgetreten.

Der kommissarische FIGC-Präsident Rossi versprach in Rom eine schonungslose Aufklärung des Skandals. "Wir brauchen mehr Transparenz und neue Regeln", sagte er.

Die internationalen Fußballverbände schauen vor der Weltmeisterschaft in Deutschland mit großer Sorge nach Italien. Die Europäische Fußballunion (UEFA) fürchtet eine Ausweitung des Skandals auf den Europacup, der auch durch Schiedsrichter-Manipulationen beeinflusst worden sein könnte. "Sollten aus Neapel Hinweise zu Europacupspielen kommen, werden wir sofort reagieren", sagte UEFA-Geschäftsführer Lars-Christer Olsson.

Neben der federführenden Staatsanwaltschaft Neapel ermitteln mittlerweile fünf weitere Staatsanwaltschaften in ganz Italien im Fußball-Skandal. Täglich werden dutzende Fußballer, Trainer, Schiedsrichter, Vereins- und Verbandsfunktionäre verhört. Durch die in den Wettskandal verstrickten Nationalspieler Gianluigi Buffon (Juventus Turin) und Vincenzo Iaquinta (Udinese Calcio) sind auch die "Azzurri" vor der WM vom Skandal betroffen.(APA/dpa)

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