ÖVI vergab Forschungspreise

9. Juni 2006, 19:36
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Vier junge WissenschafterInnen wurden vergangene Woche vom Verband der Immobilientreuhänder für ihre Abschlussarbeiten ausgezeichnet

Wien - Der Österreichische Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI) hat vergangene Woche zum vierten Mal seinen Forschungspreis für die junge Immobilienwissenschaft vergeben. Der erste Preis, honoriert mit einer Reise nach London, ging an Olaf Riss für seine Untersuchung über "Die Erhaltungspflicht des Vermieters". Die beiden weiteren Gewinnerinnen, Ilse Unterrainer ("Auswirkungen des Protokolls von Kyoto auf die Gebäudebewirtschaftung, insbesondere auf die Anwendung des WEG 2002") und Birgit Gantner ("Die Angemessenheit der Instandhaltungsrücklage gemäß § 31 WEG") erhalten als Preis jeweils die Teilnahme an der ÖVI-Winterseminarwoche und an der ExpoReal.

"Mietzinsminderung sollte nicht in allen Fällen greifen"

Die Arbeit von Olaf Riss konzentriert sich auf die zivilrechtlichen Fragen rund um die Erhaltungspflicht des Vermieters sowie etwa die Mietzinsminderung zu Gunsten des Mieters. So kommt der Autor etwa zum Schluss, dass die im Gesetz vorgesehene Mietzinsminderung wegen Beeinträchtigung des Mietobjekts nicht in allen Fällen eingreifen sollte. Immer dann nämlich, wenn der gestörte Gebrauch nachgeholt werden kann, müsste – so Riss - dem Vermieter zuerst die Möglichkeit eingeräumt werden, seine Leistung zu verbessern oder nachzuholen. Eine solche Praxis sei im Zivilrecht nämlich durchaus üblich.

Ilse Unterrainer setzte sich kritisch mit der Umsetzung der EU-Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie in Österreich auseinander. Unmittelbar relevant für die Bewirtschaftung ist die Einführung des Energieausweises, wie er in der Regierungsvorlage zum "Energieausweis-Vorlage-Gesetz" am 19. Mai eingearbeitet ist. Die Landesgesetzgeber konnten sich zu keiner bundesweit einheitlichen Regelung durchringen, sodass die Bestimmungen zum Energieausweis über technische Verordnungen der einzelnen Länder teilweise unterschiedlich geregelt werden.

Probleme für jenen Teil der Immobilienwirtschaft, der länderübergreifend agiert, seien damit vorprogrammiert, folgert Unterrainer. Weiters kommt sie zu der Erkenntnis, dass im WEG 2002 keine eindeutige Zuordnung von ordentlicher und außerordentlicher Verwaltung erfolgt, wenn es um die thermische Sanierung von Gebäuden und die Ermittlung des individuellen Energieverbrauchs geht, sodass die rasche Umsetzung der Kyoto-Ziele behindert wird.

Verwaltungen tendieren zu höheren Rücklagen

Ebenfalls in den Bereich der Hausverwaltertätigkeit reicht die Arbeit von Birgit Gantner. Die Verfasserin beschäftigt sich mit der Beurteilung der Angemessenheit der Instandhaltungsrücklage. Sie führte eine Befragung von 20 ÖVI-Hausverwaltungen durch und stellte fest, dass die Verwaltungen zu eher höheren Rücklagenbildungen tendieren, um rascher Erhaltungsarbeiten auszuführen, die sich positiv auf das Objekt auswirken.

Gantner konstatiert, dass – entsprechend dem Gesetz - Hausverwaltungen keine einheitliche Methode der Rücklagenbildung anwenden. Vielmehr setzen der tatsächliche Zustand, das Alter des Objekts und die finanziellen Möglichkeiten der Wohnungseigentümergemeinschaft den Rahmen für die Höhe der Rücklage. Gegenüber dieser Praxis dokumentiert Gantner Berechnungsmodelle zur Rücklagenbildung, die sich aus der Relation von Rücklagenzuweisung und Herstellungskosten sowie den Marktpreisen konstituieren. (red)

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