Trotz guter Zahlen Schatten über Airbus

12. Juni 2006, 15:52
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Airbus-Chef Humbert räumt Fehler beim A 350 ein - Boeing-Konkurrenz wurde unterschätzt

Berlin - Trotz guter Produktionszahlen und des Publikumsmagneten A 380 fallen bei der Berliner Luftfahrtschau Schatten auf die Erfolgsbilanz des europäischen Airbus-Konsortiums. Sein Präsident Gustav Humbert räumte am Mittwoch Fehler in der Konzeption und der Marktbewertung des Großraumflugzeug-Projekts A 350 ein. Zugleich präsentierte er aber ein randvolles Orderbuch für die nächsten vier Jahre mit insgesamt 2.114 abzuarbeitenden Aufträgen für Flugzeuge aller Größenordnungen. 2005 seien allein 1.111 Aufträge dazu gekommen.

Substanzielle Änderungen

Humbert sagte auf der ILA in Berlin, Airbus habe die Boeing-Konkurrenz im Segment der Großflugzeuge mit 250 bis 260 Sitzen unterschätzt. Es werde "einige substanzielle Änderungen" am Konzept der A 350 geben, die im Sommer veröffentlicht werden sollten. Dies hatten die "Airbus-Minister" der an dem Flugzeugprojekt beteiligten europäischen Staaten am Vortag verlangt.

Der A 350 soll mit der für 2008 angekündigten Boeing 787 "Dreamliner" konkurrieren. Im Detail verlangten die Minister Verbesserungen unter anderem bei der Reichweite und dem Spritverbrauch. Humbert nannte keine Details. "Der Wettbewerb beginnt im Sommer", versprach er. Als positiv wertete der Airbus-Chef, dass die Projektentwicklung noch nicht so weit fortgeschritten sei, dass wesentliche Änderungen unmöglich seien. Ziel des Konzerns sei auf jeden Fall, auch in diesem Marktsegment mehr als 50 Prozent Marktanteil zu erringen. Humbert schätzte das Marktpotenzial auf 5.000 bis 6.000 Flugzeuge in den nächsten 20 Jahren.

Star

Humbert kündigte für 2006 eine Zahl von "nahe an 430" auszuliefernden Flugzeugen an. Im vergangenen Jahr waren es 378 Maschinen. Außerdem sollen noch in diesem Jahr die beiden ersten Mega-Airbus A 380 an den ersten Kunden Singapore Airlines ausgeliefert werden. Das Doppelstock-Flugzeug, das je nach Bestuhlung bis zu 800 Passagiere befördern kann, ist der Star der diesjährigen ILA. Von ihm hat Airbus nach Angaben des Programmchefs Charles Champion bereits Orders von 16 Kunden über insgesamt 159 Stück erhalten. "Wenn Sie jetzt einen bestellen, müssen Sie bis 2011 warten", sagte Champion. Bisher fliegen zwei Exemplare ohne und eines mit Passagierbestuhlung. Letzteres steht in der Hamburger Airbus-Werft, wo es mit der Inneneinrichtung bestückt und anschließend an Singapore Airlines ausgeliefert werden soll. (APA/AP)

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