Eine Gasse für Wiesenthal

23. Juli 2006, 18:37
12 Postings

Neues Zentrum der Israelitischen Kultusgemeinde statt Nazi-Straße

Wien - Die Bewohner der Ichmanngasse in der Leopoldstadt werden bald eine neue Adresse bekommen: Die Straße wird zu Ehren des am 20. September 2005 verstorbenen Simon Wiesenthal benannt. Ein entsprechender Wunsch wurde schon kurz nach dem Tod des Holocaust-Überlebenden, der sich Zeit seines Lebens der Verfolgung von NS-Verbrechern widmete, vonseiten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) geäußert. Jetzt wurde ein Antrag auf Umbenennung von der Bezirksvertretung Leopoldstadt und allen Parteien, mit Ausnahme der FPÖ, gefasst.

Der Wahl der Gasse ist kein Zufall: Nach Informationen des IKG war der 1965 gestorbene Namensgeber Franz Ichmann nicht nur ein bekannter Wienerlied-Texter, sondern auch Mitglied der NSDAP. Die IKG wird in der künftigen Simon-Wiesenthal-Gasse ein neues jüdisches Zentrum errichten. Auf dem von den Nationalsozialisten enteigneten Gelände, wo sich früher der Hakoah-Sportplatz befand, soll ein neuer Campus gebaut werden, in den die jüdische Zwi Perez Chajes-Schule und das Sanatorium Maimonides-Zentrum übersiedeln werden. Auch der Sportclub Hakoah wird dort wieder einen Sportplatz bekommen.

Die Umbenennung der Straße soll im Zuge eines Festakts zur Eröffnung des Zentrums im Herbst 2007 erfolgen. Wegen der so genannten Interkalarfrist kann eine Benennung erst frühestens ein Jahr nach dem Tod Wiesenthals erfolgen. (kri, DER STANDARD Printausgabe 18.5.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Simon Wiesenthal

Share if you care.