380-kV-Lückenschluss: Verbund APG erhöht Druck

1. Juni 2006, 19:34
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Möglicherweise schon im Winter 2006/07 Leitungsengpass - Kritik an "hinkendem" UVP-Verfahren

Graz - "Auch dem österreichischen Höchstspannungsnetz droht ein katastrophaler Dammbruch", warnte Heinz Kaupa, Vorstand der Verbund-Leitungstochter APG, mit dem Vergleich zu nicht ausreichenden Hochwasserschutzmaßnahmen vor einer weiteren Verzögerung des 380-kV-Lückenschlusses durch die Oststeiermark. Durch ein UVP-Verfahren, das "hinkt", und Leitungsengpässe bei den Nachbarn sei die Situation ernster als z.B. die Politik es wahr haben wolle: Im November werden Phasenschiebertransformatoren installiert, die dafür sorgen werden, "dass womöglich schon im Winter 2006/07 weniger Strom über die Leitungen transportiert wird, als in der Steiermark benötigt wird."

Kaupa wurde von den Vorständen von Energie Steiermark und BEWAG, Franz Kailbauer und Hans Lukits, unterstützt, als er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Graz wiederholt auf die kritische Versorgungssituation im Süden hinwies. Eine Abschaltung könnte mit Importen über Slowenien und Ungarn auch kaum ausgeglichen werden, weil diese beiden Netze ebenfalls überlastet seien. Der ungarische Höchstspannungsnetzbetreiber MAVIR habe bei Györ ein Netztrennungssystem eingerichtet: "Damit hat sich die Gefahr eines Zusammenbruches der Stromversorgung von ganz Südösterreich schlagartig erhöht", so Kaupa.

Kritik der Stromversorger

Kritik üben die Stromversorger am Umweltsenat, der die halbjährige Frist für eine Entscheidung im UVP-Berufungsverfahren bereits Ende 2005 verstreichen habe lassen. Erst vor Ostern sei nun ein naturschutzrechtlicher Sachverständiger beauftragt worden. Man könne nun günstigstenfalls bis Ende 2006, wahrscheinlich aber erst im ersten Quartal 2007 mit einem Bescheid rechnen. "Hat die Frage des Totholzkäfers tatsächlich den selben Stellenwert wie die Frage der sicheren Stromversorgung in Südösterreich?", formulierte Kaupa rhetorisch. Anwalt Christian Onz bescheinigt dem Umweltsenat gewissenhafte Arbeit, die aber durch die Rahmenbedingungen - der Dreier-Senat arbeite nicht hauptberuflich und sei primär zur Rechtskontrolle gedacht - Schwächen aufweise. Die Leitungsgegner bombardierten den Senat mit Eingaben und dieser zeige "sehr große Bereitschaft, diesen nachzugeben", so Onz.

Erdverkabelung kein Thema

Nach wie vor kein Thema ist für Kaupa eine gänzliche oder teilweise Erdverkabelung: "An unserer Position hat sich nichts geändert." Anwalt Onz ergänzt, es gebe keine Rechtgrundlage für ein Verfahren, in dem die Verkabelung Gegenstand sei.

"Wenn das Projekt nicht vorankommt, dann liegt es nicht am Gesetz und nicht an den Menschen, die ihre Rechte wahrnehmen, sondern am Charakter des Projektes und an der unflexiblen Vorgangsweise der APG", erklärte Bürgerinitiativen-Sprecher Richard Hubmann in einer Stellungnahme. Die Verbund-APG bremse sich dadurch, dass sie selbst berufen und Projektänderungen vorgenommen habe sowie - urlaubsbedingt - um Fristerstreckungen ersucht habe, selbst aus. (APA)

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