Ein Pass für die Lunge

22. Jänner 2007, 16:12
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Jeder Vierte der über 40-Jährigen leidet an einer chronischen Lungenerkrankung (COPD) - ein Pass soll die Therapie erleichtern

Wien - Mehr als ein Viertel der über 40-jährigen Österreicher leidet an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, COPD. 90 Prozent der Erkrankungsfälle sind auf das Rauchen zurückzuführen.

Langfristige medizinische Betreuung

Was mit einer chronischen Raucher-Bronchitis beginnt, kann nach einigen Jahren mit einer Lungenblähung (Emphysem) enden. In absehbarer Zeit ist in Österreich mit einer Million Erkrankten zu rechnen. Vor allem kommt es auf eine möglichst frühzeitige Diagnose an. Im Fall des Falles aber müssen die Betroffenen langfristig medizinisch betreut werden.

COPD Pass entwickelt

Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) hat den COPD-Pass für behandelnden Lungenfachärzte, aber auch für die Hausärzte entwickelt. Dieser soll die Mediziner bei der Kontrolle des Krankheitsverlaufes unterstützen. Das reibungslose Zusammenspiel zwischen Allgemeinmedizinern und Lungenfachärzten ist für die bestmögliche Betreuung von COPD-Patienten eine wesentliche Voraussetzung.

Diagnose und Therapie vom Lungenfacharzt

Von den behandelnden Lungenfachärzten werden in dem Pass die Ergebnisse der Spirometrie (Lungenfunktionstest), die Blutgase und die verordnete Therapie vermerkt. Die Patienten gehen dann mit dem Pass zu ihren Hausärzten, die die weitere Betreuung der verordneten Therapie übernehmen.

Lungenabteilungen in "Betreuungskreislauf" miteinbezogen

Um in den Informationsfluss über Diagnose, Therapie und Verlauf der Erkrankung auch den stationären Bereich mit einzubeziehen wird der COPD-Pass seit Mitte Mai auch in den Lungenabteilungen der Spitäler eingesetzt. Sylvia Hartl, Generalsekretärin der Gesellschaft: "Nur wenn der "Betreuungskreislauf" zwischen niedergelassenem und stationärem Bereich sowie zwischen Lungenfachärzten und Allgemeinmedizinern funktioniert, wird es uns gelingen, verstärkt COPD-Betroffene im Stadium II zur pneumologischen Abklärung zu motivieren. Und dies muss unser aller Ziel sein, wenn wir in der Früherkennung einen entscheidenden Schritt weiterkommen wollen."

Früherkennung gegen Lungenfunktionsschäden

Weil etwa 20 Prozent der Raucher an einer COPD erkranken, wäre die Früherkennung der Erkrankung besonders wichtig. Einmal eingetretene Lungenfunktionsschäden lassen sich nämlich nicht mehr beheben, allerdings kann das Fortschreiten der Erkrankung durch Rauch-Stopp und medikamentöse Behandlung verlangsamt werden. Sylvia Hartl: "Eine wirksame Früherkennung bedingt unter anderem auch, dass bei jedem Raucher über 40 einmal jährlich die Lungenfunktion überprüft wird."

Dunkelziffer zwischen 50 Prozent und 70 Prozent

Die Daten der ersten repräsentativen Untersuchung über die Häufigkeit von COPD in Österreich sind alarmierend: 26,1 Prozent der über 40-Jährigen leiden an einer COPD, fast 11 Prozent sind im Stadium II bis IV. "Wir müssen in absehbarer Zeit mit rund einer Million Erkrankten und 400.000 COPD-Patienten, die eine Dauermedikation brauchen, rechnen", so Sylvia Hartl. Beunruhigend auch die Dunkelziffern: zwischen 50 und 70 Prozent der COPD-Betroffenen sind krank, ohne entsprechende Diagnose und Behandlung. (red/APA)

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COPD Pass

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