Der Herr der Ringe als Film-Trilogie

12. Juni 2000, 21:01

"Star Wars" erwächst ebenbürtige Konkurrenz: In Neuseeland wird derzeit die Mutter aller Fantasy-Bücher verfilmt. Ein Vorab-Bericht.

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Einer der Ringgeister. Foto: Lord of the Rings Picture Gallery

Die Gefährten auf dem Strom Anduin. Foto: Lord of the Rings Picture Gallery


LINKS ZUM HERRN DER RINGE ALLGEMEIN:
Webseiten zu Tolkien und dem "Herrn der Ringe" gibt es sonder Zahl. Hier nur eine kleine Auswahl - es empfiehlt sich, diese als Ausgangspunkt zu nehmen und sich einfach weiter zu hangeln.

Einer der Ringgeister. Foto: www.tolkienworld.de

Gandalf besucht das Auenland. Grafik: www.tolkienworld.de


Wellington - Die Geschichte der Verfilmungen scheinbar unverfilmbarer Bücher ist um einen besonders dicken Brocken reicher: um J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe", das Fantasy-Buch schlechthin. Regisseur Peter Jackson macht auch gar nicht erst den Versuch, kleine Brötchen zu backen, sondern hat das Mammut-Projekt (veranschlagtes Budget: 180 Millionen Dollar) von vorneherein als Trilogie angelegt. Dies entspricht dem Aufbau des Originals (mit den Teilen "Die Gefährten", "Die zwei Türme" und "Die Rückkehr des Königs"), lässt sich aber auch als kluges Marketing-Konzept mit Seitenblick auf "Star Wars" interpretieren. Die drei Teile werden jeweils zu Weihnachten 2001, 2002 und 2003 in den Kinos anlaufen - gedreht werden alle drei jedoch aus Kostengründen in einem Aufwaschen. Die Dreharbeiten sind übrigens bereits seit Oktober 1999 im Gange und sollen zwischen 14 und 18 Monate dauern.

Angriff der Orks. Foto: Lord of the Rings Picture Gallery

Die epische Handlung - für diejenigen, die sie nicht kennen - sei hier kurz umrissen: In der fiktiven Welt Mittelerde nähert sich der Kampf zwischen Gut und Böse seinem Höhepunkt. Im Fokus der Geschehnisse steht der "Herrscherring", ein ultimatives Machtinstrument. Um diesen nicht dem bösen Halbgott Sauron in die Hände fallen zu lassen, schickt der Magier Gandalf ausgerechnet den Hobbit Frodo, einen Vertreter des kleinsten und harmlosesten aller Völker, los, um den Ring zu zerstören. Eine gemischte Bruderschaft aus Hobbits, Menschen, Zwergen und Elben hilft ihm und zieht quer durch den Kontinent, der allmählich vom Großen Ringkrieg überzogen wird. Während aber auf den Schlachtfeldern die Heere der Völker aufeinander prallen, fällt die eigentliche Entscheidung dort, wo Frodo ganz auf sich allein gestellt mit den Verlockungen der Macht des Rings zu kämpfen hat.

Am Ende steht natürlich der - teuer erkaufte - Sieg des Guten, aber auch das allmähliche Verschwinden alles Magischen aus der Welt. Als Gandalf und die letzten Elben Mittelerde verlassen, nimmt die Welt andeutungsweise die Züge der unseren an.

Die Hobbits beobachten einen der zahllose Heereszüge. Foto: Lord of the Rings Picture Gallery

Regisseur Peter Jackson kommt ursprünglich aus dem Horror- und Splatter-Genre (was ihm bei der Inszenierung der zahlreichen Schlachtszenen sicherlich zugute kommen wird) und hat hier mit dem Kult-Klassiker "Braindead" einen nicht mehr zu toppenden Höhepunkt in Sachen Blutzoll abgeliefert. Danach mäßigte er sich mit Filmen wie "Heavenly Creatures" und "The Frighteners" zwar deutlich ab, blieb dem Genre des Fantastischen Films insgesamt aber treu. Zum "Herrn der Ringe" meinte er in einem Interview schlicht: "Ich dachte, vielleicht ist die Zeit, da er unverfilmbar ist, mit den Fortschritten in der Computer-Technologie zu Ende gegangen." CGIs (computergenerierte Bilder) werden in der Verfilmung daher auch massiv zum Einsatz kommen.

Ein Ork mit definitiv schlechter Laune. Foto: Lord of the Rings Picture Gallery

Den Schauplatz der Dreharbeiten bilden die kompakten Landschaften von Neuseeland, in denen auch schon die Fantasy-TV-Serien "Hercules" und "Xena" zum Leben erweckt wurden. Dicht an dicht liegen hier Fjorde, Steilküsten, Berge und satt grüne Wälder, die mit verhältnismäßig wenig Aufwand zum Auenland, Rivendell oder dem Wald der Ents werden können.

Das Auenland, wie es leibt und lebt. Foto: Lord of the Rings Picture Gallery

Unter den Darstellern finden sich zahlreiche prominente Namen: Den Zauberer Gandalf, für dessen Rolle ursprünglich auch Sean Connery im Gespräch gewesen sein soll, gibt Sir Ian McKellen (derzeit mit "Gods and Monsters" erfolgreich), seinen Rivalen Saruman verkörpert Christopher Lee. Cate Blanchett steigt von der Queen "Elizabeth" zur Elbenkönigin Galadriel auf, und James Bond-Bösewicht Sean Bean ist als menschlicher Krieger Boromir zu sehen. Die Hauptfigur, der Hobbit Frodo, wird von Elijah Wood ("Deep Impact", "The Ice Storm") verkörpert. Der vielleicht schillerndste Charakter, der von der Macht des Rings zum Bösen pervertierte Hobbit Gollum, wird übrigens zur Gänze im Computer entstehen. Bilder von Gollum hält die Film-Produktion unter strengem Verschluss.

Elijah Wood als Frodo. Foto: Lord of the Rings Picture Gallery

Das Risiko, das Jackson mit seinem Mammut-Projekt eingeht, ist kein kleines: Er hat zwar die Chance, sich damit unsterblich zu machen - noch mehr aber die, unter den Tolkien-Fans, denen man einen gewissen Hang zur Orthodoxie nicht absprechen kann, in Ungnade zu fallen. Die schiere Masse an Detailanforderungen, die die Buchvorlage stellt, ist immens.

Ein anderer Regisseur ist daran gescheitert: 1978 verfilmte Ralph Bakshi ("Fritz the Cat") den Herrn der Ringe in einer Zeichentrick-Version. Umstritten war die Technik seiner Animationen: Den einen galten die zunächst real gefilmten und nachträglich übermalten Bilder als innovativ, für die anderen waren sie ein Gräuel. Unumstritten katastrophal war jedoch der Umstand, dass Bakshi vor der Handlungsfülle kapitulierte und den Film etwa nach zwei Dritteln des Buchs aufhören ließ, mit einem aufgesetzten Happy End noch dazu. Zur angeblich geplant gewesenen Fortsetzung ist es nie gekommen.

Orks beim Sturm auf die Hornburg. Foto: Lord of the Rings Picture Gallery

Das Buch: John Ronald Reuel Tolkien, seines Zeichens Professor für Mediaevistik und altenglische Philologie an der Universität von Oxford, schrieb den "Herrn der Ringe" in den Jahren 1954 bis '55. Vom Geheimtipp in studentischen Kreisen avancierte das Buch im Verlauf der nächsten 10 Jahre zum Bestseller und einer Art "Bibel der Gegenkultur". Bis heute hat er sich zusammen mit seinem Vorgänger-Buch "The Hobbit" über 50 Millionen mal verkauft. Neben Tolkiens Schreibstil trug dazu vor allem die Akribie seines Weltentwurfs bei: Er erstellte für die Welt von Mittelerde Genealogien von Familien und Völkern, zeichnete detaillierte Karten und entwickelte aus keltisch-germanischen Vorbildern eine in sich konsistente Elbensprache mit strengen Grammatik- und Ausspracheregeln. (Peter Jackson hat im übrigen angekündigt, diese Sprache unter Anleitung von Linguisten für seinen Film zu übernehmen - entsprechende Passagen sollen untertitelt werden.) Zu keinem anderen belletristischen Buch gibt es soviel Sekundärliteratur, die genau festlegt, was Tolkien-kanonisch ist und was nicht - eine kaum zu überwindende Hürde für jede Verfilmung.

Tolkien setzte mit seinem Buch neue Standards für den Bereich der Fantasy - die bisher auch nie wieder erreicht worden sind. Auch die Neudefinition von "klassischen" Fabelwesen wie Elben und Zwergen (sie werden als kriegerische Völker mit eigener Kultur anstatt als verkitschte Märchenwesen dargestellt) beeinflusste das Genre nachhaltig bis hin zur Rollenspiel-Szene. Heute nimmt der "Herr der Ringe" für die Fantasy einen Stellenwert ein, wie ihn in der Science Fiction vielleicht "Star Wars" und "Star Trek" zusammen genommen haben.

Geplanter Kinostart des ersten Teils: Weihnachten 2001.

(Josefson)

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    grafik: john howe
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