Körper-Studium

21. Juli 2006, 12:29
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Junge europäische Modedesigner präsentieren in Wien - unter der Patronanz von Valentino

Manchmal steht selbst jemand wie Rem Koolhaas nicht im Mittelpunkt. Als der römische Modeschöpfer Valentino dem "EU Young Fashion Summit" seine Aufwartung machte, verdrückte sich der niederländische Stararchitekt still und heimlich in eine Ecke. Die Kameras waren für den römischen Couturier da. Und dieser legte einen Hollywood-mäßigen Auftritt samt 50-minütiger Verspätung hin.

Valentino war der Stargast des von Staatssekretär Franz Morak ausgerufenen "Gipfeltreffens" junger europäischer Modeschöpfer, einer Veranstaltung im Rahmen Österreichs EU-Präsidentschaft. Einer Veranstaltung aus zwei Teilen: einem Podiumsgespräch, auf dem 25 ausgewählte europäische Jungdesigner in einem knappen Stündchen über Schwierig- und Möglichkeiten des Modegeschäftes aufgeklärt wurden und sich anschließend und nach Eintreffen der römischen Modelegende gemeinsam mit Morak und Valentino fotografieren lassen durften.

Und einer abendlichen Gala, auf der besagte Designer (aus Österreich ausgewählt: "House of the very Island's", eines der kreativeren Jung-Labels des Landes) ihre Kreationen vor erlesenem Publikum vorführten - und anschließend gespeist wurde. Von Morak als "eines der wichtigsten kulturellen Events während Österreichs EU-Präsidentschaft" gepriesen, rückte der "Fashion Summit" einen Bereich der Kreativwirtschaft in den Mittelpunkt, der hier zu Lande meist nur zur Behübschung von Abendveranstaltungen herhalten muss.

Das müsse nicht so sein, waren sich sowohl Koolhaas als auch der austrotürkische Designer, Atil Kutoglu einig. Der Modedesigner, der seit einigen Saisonen in New York zeigt, ermutigte die Jungdesigner die Welt ihre Botschaft auch wissen zu lassen - auch wenn sich dieses Vorhaben nicht ganz einfach gestalten dürfte. Wie in kaum einem anderen Kreativbereich sind die Förderungen spärlich - und die Bereitschaft vonseiten der Unternehmen, in junges Design zu investieren, beschränkt. Was also tun? Valentinos Ratschlag an seine Nachfolger war denn denkbar einfach: Man hüte sich vor allzu intellektuellem Design - und man studiere den menschlichen Körper. Der Rest ergebe sich von selbst. (DER STANDARD, Printausgabe vom 17.6.2006)

Von
Stephan Hilpold
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Valentino (74) hat gut lachen: Der Erfolg seines römischen Modehauses hat auch für Jungdesigner Vorbildwirkung.

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